Tiergeschichten - Tierkurzgeschichten
Es freut mich, Euch hier die Tiergeschichten von Clivia Jäggin vorstellen zu können. Bitte beachten: Alle Rechte von Text & Bild liegen bei der Autorin (clivia67(at)hotmail.com) selbst.
Viel Spass beim Lesen
- Verliebt in ein Ei - Eine Hundekurzgeschichte
- Wenn ein Fuchs und ein Neufundländer kämpfen - Eine Hunde-, Fuchskurzgeschichte
Verliebt in ein Ei
Clivia Jäggin
Jeden Morgen begleitet mich Jeyla, unsere junge Bernhardinerhündin, in Stall, wenn ich bei unserer Hühnerscharr die Eier einsammle. Normalerweise darf sie dann auch das Körbchen tragen, wo ich die Eier reinlege. Diese 'Aufgabe' erledigt sie dann sehr gewissenhaft und transportiert die zerbrechlige Fracht meistens OHNE Schaden stolz ins Haus .
Heute jedoch hat es pressiert und ich konnte im Moment den Korb nicht finden, so nahm ich halt die paar Eier in die Hände, während mich Jeyla dabei mit einem grimmigen Blick beobachtete. 'MEIN Job, mensch!'...so funkelte es düster aus ihren Augen.
Während ich ins Haus ging, hüpfte das Riesenbaby um mich rum wie ein Zicklein, stellte sich mir regelrecht in den Weg und gab ständig Pfötchen. Ich dachte noch, was ist denn jetzt los??...und fragte klein Jeyla: 'Hey, magst Du ein Ei zum fressi-fressi? Ist ja gesund und Deinem Fell schadet es bestimmt nicht, so zerzauselt wie Du im Moment dreinschaust.' ...Gütigerweise gab ich ihr dann eines und sah noch zu, wie sie es freudig trabend wegtrug. 'Maximum 30 Sekunden, dann ist es verputzt', grinste ich vor mich hin und erledigte dann weiter meine Dinge.
Etwa eine halbe Stunde später sah ich unseren Postboten und ging wieder nach draussen. Jeyla stand da, wedelte wie verrückt mit ihrem Schwanz und brachte knapp ein schallgedämpftes 'Wuff' heraus, was sich jedoch mehr nach einem verkorksten 'Bfufff' anhörte. Ich kuckte sie verdutzt an und bemerkte sehr erstaunt, wie Hundi mit aufgeplusterten Backen das Hühnerei IMMER noch herumtrug. 'Hää?? Das gibts ja nicht, kannst Du das Ding nicht knacken??' Ich ging auf sie zu aber sie rannte im zick-zack vor mir davon, als ob der Teufel hinter ihr her wäre... 'Mein Ei, mein Ei, mein Eiiiii!!'... Lachend schaute ich ihr hinterher und redete vor mich hin: 'Mein Hund hat doch einen Knall aber wenn es ihr Spass macht'
Einige Zeit später, seehr viel später, spähte ich aus dem Fenster. Es war doch verdächtig ruhig da draussen und normalerweise ist die Berniedame IMMER um mich herum! Völlig überrascht entdeckte ich dann Jeyla, wie sie liebevoll das Ei zwischen ihren Pfoten ableckte. Es in ihr Riesenmaul nahm, woanders hintrug, sachte aus ihrer Schnauze plumpsen lies und 'es' immer wieder anstupste. Sie war so entzückt über dieses kleine 'Etwas', so dass ich mir schon fast ernsthafte Gedanken machte, ob Jeyla sich jetzt in ein Huhn mit Muttergefühlen mutiert...!
Schlecken, tragen, plumpsen, anstubsen,... SO ging das über eine geschlagene Stunden! Ich dachte schon daran, einen Hammer zu holen und ihr bei der anscheinend unüberwindbaren Aufgabe 'Ei fressen' zu helfen aber brachte es doch nicht übers Herz.
Es war dann auch nicht nötig, denn plötzlich war mit einem Prankenhieb von Jeyla die unschuldige, noch ach so zarte junge Liebe zu 'ihrem' Ei ausgelöscht. Mit einem Schlag... wortwörtlich.
Klägliche Schalenreste waren das Resultat, dazu ein zufriedenes, laut schmatzendes Jeylinchen.
Was ich daraus gelernt habe ist: 'Willst Du eine Stunde Ruhe vor Deinem Hund, leg ihm ein leckeres Hühnerei in den Mund. Macht er dann noch immer Faksen, kontrolliere dringend seine Tatzen.'
Wenn ein Fuchs und ein Neufundländer kämpfen
Clivia Jäggin
Folgende Geschichte ist schon ein paar Jährchen her und inzwischen ist mein geliebter Hund auch schon verstorben. Aber eigentlich verdanken wir es IHM, das wir seit diesem Vorfall nie mehr von einem Fuchs heimgesucht wurden.
Es gab eine Zeit, wo wir von dem Fuchs regelrecht geplagt wurden. Das Vieh schikanierte uns bis aufs Blut, (noch mehr die Hühner natürlich) und ganze drei mal musste ich quasi wieder bei Null anfangen, mit meiner kleinen Hobbyzucht von grossen Brahmas.
Das schlimmste ist natürlich immer, das ganze Massaker "entsorgen" zu müssen. Was mich aber noch mehr ärgerte war, dass dieser Quälgeist sich nicht nur EIN Huhn schnappte und verduftete, sondern einfach die ganze Sippe gekillt und lediglich die Köpfe gefressen hat. Von den drei mal schlug er stinkfrech am Tag zu, natürlich dann, wenn ich nicht Zuhause war. Ich habe jedesmal Rotz und Wasser geheult, bei den "Beerdigungen"!
An einem Abend kam ich etwas später Nachhause. Verbarrikatierte sorgfältig den Hühner-und Hasenstall, übersah aber ein junges Huhn draussen, dass sich noch nicht in Stall bequemt hatte. (Zum voraus: dieses Tier lebt heute noch und ist unser "Masskottchen seitdem).
Ziemlich spät fiel ich dann müde ins Bett und schlief sofort tief und fest. Unser Hund, ein Neufundländer-Landseermischling, lag wie immer vor meiner Schlafzimmertüre, seinem Lieblingsplatz.
Mitten in der Nacht jedoch, es war etwa drei Uhr, hörte ich "Tequila" aufgeregt winseln und an die Türe poltern. Ich sass kerzengerade im Bett und wusste sofort, das stimmt was nicht! Mit dem erstbesten Gegenstand der mir in die Finger kam, (es war ein Schuh...himmel nochmal , WEN oder WAS kann man mit einem Schuh erschlagen?? ) stürzte ich nur mit T-Shirt und Slip bekleidet nach draussen. Vor mir unser Bär, der wie eine Furie richtung Hühnerstall raste!
Im Aussengehege hörte ich dann ein aufgeregtes Gackern und Kreischen und schattenhaft nahm ich eine Gestalt wahr. Im ersten Moment dachte ich, es wäre eine grosse Katze aber beim Näherkommen sah ich dann, dass es sich um einen Fuchs handelte. Durch das Aussenlicht und durch mein Hund, welcher tobend am Gehege hin und her rannte gestört, flüchtete das Tier. Ich traute meinen Augen nicht und ungläubig schaute ich dem Fuchs zu, wie er regelrecht am Gehege, (ca. zweieinhalb Meter hoch!) hinaufkletterte, wie Spiderman! Die Rechnung hatte der Fuchs jedoch ohne den Wirt, respektive "Tequila" gemacht...der Fuchs sprang in seiner Panik meinem Hund direkt ins Maul.
Es gab ein fürchterliches Gekämpfe! Mein Neufi drückte den Fuchs regelrecht zu Boden und Verbiss sich in ihm....Ich stand mit weissem Gesicht wie gelähmt daneben, immer noch der dämlichen Turnschuh in der Hand!...Der Lärm, die irren Laute von den Beiden...es war grauenhaft!
Endlich, nach elend langer Zeit konnte sich der Fuchs irgenwie befreien und haute blitzschnell ab. Mein 70 Kilo Hund hinterher aber der hatte natürlich keine Chance den Fuchs noch einzuholen. Mit Puddingbeinen stand ich dann im Hühnergehege, fand dann auch das unverletzte Huhn und wartete auf die Rückkehr von "Tequila". Dieser kam sehr schnell zurück und ich durchsuchte ihn erstmal gründlich auf Bisswunden. Ein beissender Gestank von "Wild" wehte mir in die Nase, mir wurde kotzübel dabei.
Tequila hatte keinen einzigen Kratzer, obwohl ich mir am Anfang nicht sicher war, denn sein Hals und Maul waren blutverschmiert. Beim TA Besuch am nächsten Tag bestätigte sich dies auch, mein "Held" hatte keine einzige Wunde. Durch das dicke Fell wurde ihm dies erspart.
Von diesem Tag an hatten wir RUHE von Füchsen, (holz klopf) und ich denke, das wird auch so bleiben. Denn sicher funktioniert das "Buschtelefon" auch bei den Füchsen:
"Wenn ihr nicht Lebensmüde seit, macht lieber einen grossen Bogen um die Hühner von dieser Familie!"



