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Taschenbuch der Rassegeflügelzucht

TB der Rassegeflügelzucht

Das Copyright und deren Genehmigung zur weiteren Veröffentlichung liegt ausschließlich beim Autor der Rezension! 

KRAMERS Taschenbuch der Rassegeflügelzucht.
Nachdruck der Originalausgabe von 1926.
 
Manuscriptum Verlagsbuchhandlung Thomas Hoof KG –
Waltrop und Leipzig 1999. Einbandgestaltung: CDE Köln.

(Rezension: Klaus Hupfeld)
[Der Verfasser verweist ausdrücklich, dass seine Äußerungen rein subjektiver Natur sind.]
 
Wenn man so will, die erste historische Musterbeschreibung für Hühner- und Großgeflügelzüchter, welche heute bekannt und nicht zuletzt wieder käuflich ist. Ein sensationelles Zeitdokument für den Rassegeflügelzüchter. Die Originalausgabe von 1926 ist ebenfalls ein Nachdruck, mindestens aber eine Wiederbelebung noch älterer Motivationen. Die Ausgabe von 1926 ist tatsächlich die dritte Auflage seit 1899. Wir befinden uns also im 19. Jahrhundert, wenngleich an dessem Ende.
Am Vorwort der ersten Auflage von 1899 war Rudolf Kramer noch selbst beteiligt. Die erste Auflage schien schnell vergriffen und durch Kramers Tod 1904 war eine zweite Auflage notwendig geworden. Die zweite Auflage wurde von Kleffner und Wulf bearbeitet und fand 1908 seine Veröffentlichung. Erneut vergriffen und nicht zuletzt der Erste Weltkrieg machten eine dritte Auflage fast unmöglich. Dennoch wurde die dritte Auflage 1926 gedruckt, kein Geringerer als Emil Schachtzabel, damaliger Präsident des Bundes Deutscher Geflügelzüchter, ist für das Geleitwort nicht nur verantwortlich, sondern maßgeblicher Förderer.
Dunkelheit besteht zwischen 1926 und 1996, das ist nicht zu ändern. Wer aber Kramers Taschenbuch kennt, der weiß, wo die heutigen Wurzeln des BDRG-Rassegeflügelstandards liegen. Die Illustrationen von 1926 (1899) sind noch heute allen Darstellungen überlegen.
Dass sich der Zeitgeist der Phänotypen im Laufe der Jahrzehnte geändert hat, ist eine grundsätzlich andere Diskussion.
Die in Wort und Bild gezeigten Tatsachen sind unglaublich wertvoll. Wer kennt noch das Stuhrer Masthuhn oder die Kröllwitzer Brut- und
Fleischhühner? Die Grauen Schotten nicht zu vergessen. Sie sind aus unserem Standard verschwunden, bisweilen ausgestorben. Unsere Nackthalshühner heißen bei Kramer noch Siebenbürger Nackthälse. Ein eindeutiger Hinweis auf ihre Herkunft. Die wunderbaren Asil haben dagegen einen echten Wiedererkennungswert. Ihre uralte Geschichte war schon immer im Phänotyp unverwechselbar und ist es bis heute geblieben.
Ganz anders sieht es bei den Indischen (Cornwallische) Kämpfern aus. Der dargestellte Phänotyp dürfte heute nicht mehr bekannt sein. Die Langschwanzrassen Yokohama, Sumatra und Phönix (Deutsche Phönix) entsprechen damals, wie heute einer scheinbaren, historischen Ausgeglichenheit.
Sensationell ist das Bild der Spanier. Wo ist diese Rasse im 21. Jahrhundert geblieben? Die heutigen Sebright heißen bei Kramer Sebright-Bantam. Wir wissen heute, dass “Bantam“ ein internationaler Begriff für Zwerge war und
ist.
Sensationell ist hier die Darstellung der Chabo. Sie werden 1926 tatsächlich kurzbeinig abgebildet. Was nicht ausschließt, dass die erste Auflage, also 1899, ebenfalls Kurzbeinige kannte. Was verwundert hieran? Schon allein die Tatsache, dass der berühmte Hühnermaler, Jean  Bungartz ab 1885 fast ausschließlich langbeinige Chabo illustrierte.
Damit nicht genug. Wer kennt noch die hennenfiedrigen Hamburger Silbersprenkel?Und was ist hier mit Silber-Wyandotten gemeint, die heute als Silber-Schwarzgesäumte bekannt sind und nicht etwa den silberhalsigen
Farbschlag meinen.
Auch die Züchter von Kämpferrassen kommen auf ihre Kosten. Scheinbar erfreuten sich Kampfhühner Anfang des 20. Jahrhunderts großer
Beliebtheit. Ihnen wird besonders viel Platz eingeräumt. Sehr ausführlich sind die Farben der Modernen Englischen Kämpfer dargestellt. Sie heißen 1926 noch Neumodische Kämpfer.
Brügger- und Lütticher Kämpfer sind 1926 mit dieser Bezeichnung noch nicht bekannt. Sie werden hier noch als sogenannte Belgische Kämpfer beschrieben. Erst 1975 werden sie in Deutschland als Lütticher und Brügger eigenständig.
Jetzt aber zu einer wirklichen Auffälligkeit. Wo bleiben die Croad-Langschan? Die Deutschen Langschan sind ausführlich beschrieben. Deren Ursprung und damit die Croad-Langschan  bleiben scheinbar auf der Strecke. Liegt es aber daran, dass die Croads zu jener Zeit bereits wieder verschwunden waren? Diese und ähnliche Dinge sind es, die den Kramer so unglaublich interessant machen.  Es gibt noch unzählige Beispiele.
Somit sollte klar sein, dass dieses Taschenbuch von unschätzbarem Wert ist. Ich gehe noch einen Schritt weiter, dieses Werk ist für den heutigen, interessierten Züchter ein unumgängliches Nachschlagewerk. Ohne Umschweife zeigt das Verzeichnis worum es geht. Keine phänotypischen Klassifizierungen, kein Anspruch auf alphabetische Reihenfolge, noch sonstige Extravaganzen. Die Deutschen Reichshühner machen den Anfang gefolgt von Ramelslohern und schließlich endet man bei Moschus-Enten. Dazwischen liegen Perlhühner, Puten, Gänse und viele Enten.
Ohne Zweifel ist die Bebilderung einmalig. Im Postkartenformat werden hier wunderschöne Aquarelle gezeigt. Es sind hier Abbildungen zu sehen, welche im digitalen Zeitalter der Phototechnik keinerlei Wünsche offen lassen. Im Gegenteil, mit Papier und Pinsel wurde hier eine ausgezeichnete Arbeit geleistet.
Kramers Taschenbuch ist ein Zeitdokument, es beginnt im Deutschen Kaiserreich, überlebt den Ersten Weltkrieg und findet seine Renaissance in der Weimarer Republik. Die Wiederbelebung 1999 ist eine wirkliche Bereicherung für die Geflügelliteratur.

Erhältlich für 12.95,- Euro. 239 Seiten und 112 farbige Rassetafeln.