Züchterschulung für Rassegeflügelzüchter
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Züchterschulung für Rassegeflügelzüchter
Herausgeber:
Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter e. V.
(Rezension: Klaus Hupfeld)
[Der Verfasser verweist ausdrücklich, dass seine Äußerungen rein subjektiver Natur sind.]
Auf den ersten Blick eine ungemein anspruchsvolle Betitelung. Man wünscht sich ein Komplettwerk, welches alle wichtigen Themen einer Rassegeflügelzucht vereinigt. Eine Literaturarbeit ist immer an einem präzisen und sinnvollen Inhaltsverzeichnis zu erkennen. Hier wurde nicht nur ernsthaft nachgedacht, sondern auch sehr intensiv und allumfassend gearbeitet.
Grundsätzlich bedarf dieses Werk aber einer Erklärung. Warum erst 2005 erschienen und nicht schon deutlich früher? Oder anders ausgedrückt, der ewige Ausstellungszüchter wird unbeeindruckt bleiben, er hat schon immer seinen eigenen Erfolg gesucht. Da ändert auch jede Schulung nichts mehr. Oder etwa doch? Der passionierte Züchter wird sich auch ohne Schulung
bestätigt fühlen, wenngleich die eine oder andere Information doch auch ungeahnte Nützlichkeiten veräußert. Dazu ist dieses Werk in seiner Vollständigkeit einfach zu komplett. Eine Leistung, die immer gesucht wurde und jetzt angekommen ist. Die Züchterschulung ist die literarische Grundlage, die in der Praxis benötigt wird. Jeder noch so kleine Ortsverein hat nun die
Möglichkeit, sich an einer umfassenden und einheitlichen Zuchtrichtlinie zu orientieren. In seinem Schlusswort äußert Herr Günter Wesch den Wunsch, dass sich alle Zuchtwarte im BDRG an diesen Vorgaben orientieren und ihre Schulungen entsprechend gestalten und planen. Somit hat der BDRG eine umfassende Züchteranleitung geschaffen, der ich als
ehemaliger Zuchtwart nur beipflichten kann. An einigen Stellen muss das ein oder andere Kapitel entsprechend analysiert werden, da kann durchaus diskutiert werden. Der objektiv beflissene Kenner wird wissen, an welchen Stellen kritische Bemerkungen notwendig sind und nachhaltig untersucht werden müssen.
In der Tat wird dieses Werk einer Schulung völlig gerecht. Die Züchterschulung besticht durch seinen Umfang der Themen und nicht zuletzt durch seine Autoren. Man müsste schon reichlich Literatur sammeln, um eine derartige Gesamtheit zu erreichen. Insgesamt sehr gebündelt und in seinem Umfang durchaus und nahezu vollständig.
Folgerichtig wird auch mit der Abstammung und dem Verhalten der verschiedenen Geflügelarten begonnen. Ein denkbar sinnvoller Einstieg, sollte doch bekannt sein, dass ein jeder Domestikationsprozess einen Ursprung und somit seine Wurzeln hat. In gewisser Weise fehlen hier zeitliche Datierungen der jeweiligen Domestikationsgeschichte. Die zoologische
Auseinandersetzung steht hier sehr im Vordergrund, lässt aber anderseits keine Wünsche offen. Hervorragend geeignet, um das Allgemeinwissen zu schulen.Das Verhalten der verschiedenen Geflügelarten wird sehr anschaulich auf der Grundlage sorgfältiger Studien dargestellt.
Andere Literatur weiß hier auch nicht mehr zu berichten, wenngleich es hier außerordentliche Literaturwerke gibt, dennoch ein wirklicher Pluspunkt.
Die Haltung unserer Geflügelrassen wird recht sachkundig dokumentiert. Der Anfänger und Neueinsteiger ist hier erstklassig beraten. Ein Thema, welches in rein schriftlicher Form nur unvollständig wäre, deshalb ist die Verantwortung der Zuchtwarte deutlich gestiegen. Spätestens hier findet die Praxis statt. Jeder Theorie muss die praxisnahe Umsetzung folgen. Eine überaus gut gelungene Darstellung und eine sehr verständnisvolle Vermittlung von Tabellen, Bildern und Zeichnungen. Dieses Kapitel lässt an einer tiergerechten Haltung, das muss betont werden, keinen Zweifel offen.
Bis zu diesem Kapitel hat der Leser zunächst (fast) nur Theorie kennen gelernt. Wie sieht es mit der Reproduktion aus? Schließlich jenes Thema, welches nicht ohne praktische Erfahrung auskommen kann. Einer überaus praxisnahen Erläuterung wird hier Rechnung getragen, hier kann jeder Kommentar ausbleiben, in allen Belangen absolut perfekt und nachvollziehbar.
Alle Aspekte der Naturbrut und Kunstbrut sind hervorragend gelungen. Letztendlich eine unumgängliche Anleitung darstellend.
Unser Geflügel will ernährt sein. Was sollen wir füttern? An dieser Stelle verzeichnet dieses Werk bemerkenswerte Kompetenz. Eiweiße, Kohlenhydrate, Fette, Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine sind und bleiben jene Basis, die dieses Werk spätestens zu einem Nachschlagewerk macht. Das muss nicht weiter kommentiert werden.
Wir nähern uns der Pflege und Krankheitsvorsorge. Ein ungemein wichtiges Thema, welches deutlich mehr Beachtung finden sollte. Hier wird leider etwas reduziert vorgegangen. Sehr ausführlich werden die entsprechenden Impfprogramme präsentiert.
Eine Darstellung über diverse Krankheiten und deren Verlauf wäre wünschenswert, hätte aber sicherlich den Rahmen gesprengt.
Etwas unterrepräsentiert kommt das Thema Zucht daher. Zwar wird ein sogenanntes Gen erwähnt, aber seine notwendige Definition bleibt unbeachtet. Genorte und ihre zugehörigen Allele werden gar nicht erwähnt. Inzuchtdepressionen müssten eigentlich auch besprochen werden. Sie sind jenes Laster, welches mindestens vorbeugend behandelt werden muss. Lassen wir mal die Populationsgenetik ganz außen vor, hier liegt grundsätzlich die Zukunft aller Genorte. Hier wünscht man sich eine etwas umfangreichere Information. Ausgeglichenheit zu diesem Thema wird dadurch erreicht, dass das Zuchtbuch sehr anschaulich repräsentiert wird und für seine eigene Werbung keine Wünsche offen lässt.
Das Ausstellungswesen wird wiederum sehr ausführlich dokumentiert. Jeder Interessierte wird hier intensiv beraten und kann sich in jeglicher Art vorbereiten. Transport und Produkte unseres Geflügels vervollständigen das Gesamtbild.
Ein recht guter Abschluss wird dadurch erreicht, dass der Tierschutz als Leitlinie aller Zuchtmaßnahmen zu verstehen ist. Dieses Werk, welches in jenen Einzelfällen seiner Kapitel durchaus als Nachschlagewerk zu verstehen ist, neigt dazu, in fast allen Bereichen lesenswert zu sein. Gelegentliche Unvollständigkeiten sind unvermeidbar, lassen jedoch eine hoffnungsvolle
Zukunft erwarten. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass eine Überarbeitung längerfristig notwendig erscheint. Zeitgeist und Wissenschaft treten nicht auf der Stelle. Es kann also nicht bei einer 1. Auflage bleiben. Das schmälert keineswegs die aktuellen Bedürfnisse. Im Gegenteil, alle erforderlichen Themen werden hinreichend erläutert und einer
praxisnahen Schulung durchaus gerecht. Für den Einsteiger hervorragend geeignet. Man könnte auch von einer zukünftigen oder auch sofortigen Pflichtlektüre sprechen. Jedenfalls haben die genannten Zuchtwarte nun eine wirkliche Anleitung vorgefunden.
Erhältlich für 2.50,- Euro. 130 Seiten im DIN A5-Format, geheftet.

