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Mitteldeutsche Hühnerrassen

Mitteldeutsche Hühnerrassen

Das Copyright und deren Genehmigung zur weiteren Veröffentlichung liegt ausschließlich beim Autor der Rezension! 

 
Mitteldeutsche Hühnerrassen

Schriftenreihe für Geflügelkunde
Armin Six: Oertel + Spörer Verlags-GmbH + Co.
2. Auflage. Reutlingen. 2004

(Rezension: Klaus Hupfeld)
[Der Verfasser verweist ausdrücklich, dass seine Äußerungen rein subjektiver Natur sind.]

Zeitliche Datierungen, besondere geographische Herkünfte, eigenwillige Phänotypen und die daraus resultierenden, ursprünglich beabsichtigten Leistungen unserer einheimischen Hühner zeigen, dass wir in Deutschland eine durchaus bemerkenswerte Tradition haben. Diese mitteldeutschen Hühner beweisen durch diese Lektüre, dass wir hier durchaus vieles über Geographie, Geschichte und Kultur lernen können.
Hier werden vier Rassen beschrieben, das Dresdner Huhn, das Sachsenhuhn, die Thüringer Barthühner und die Ruhlaer Zwerg-Kaulhühner. Die drei Erstgenannten selbstverständlich auch in ihrer Verzwergung. Lediglich die Thüringer und die Sachsen erfüllen ihren Anspruch, wirtschaftliche Leistungshühner zu sein, welche einen historischen Hintergrund haben, die
bei gleichzeitiger Anpassung an den klimatischen Raum, eine echte Regionalität darstellen. Die Dresdner sind für diesen Anspruch noch recht jung und wurden nicht aus alten Landschlägen erzüchtet, wie wir das bei den Thüringern kennen. Das Sachsenhuhn kann zwar nicht auf alte Landschläge zurückgreifen, hat aber dennoch ein recht hohes Alter seiner Erzüchtung zu berichten. Die einzigartigen Ruhlaer Zwerg-Kaulhühner sind etwas differenziert zu betrachten, einstmals beinahe ausgestorben und dann wiedererzüchtet, hat ihr wirtschaftlicher Aspekt nicht unbedingt im Vordergrund gestanden. Sie bestechen grundsätzlich durch ihren einmaligen Phänotyp. Ihre überaus ansprechende Legeleistung ist jedoch nicht von der Hand zu weisen.
Wir kennen derartige Weiterentwicklungen diverser Landschläge aus anderen Lokalitäten deutscher Herkunft. Das Rheinländer Huhn, das Sundheimer Huhn, die Ramelsloher, die Bergischen, um nur einige wenige Rassen zu nennen. Sie alle haben ihren kulturhistorischen Wert und somit Anspruch darauf, dass sie ein unumgängliches Zeitdokument der Züchtungsgeschichte darstellen.
Aber sind hier alle mitteldeutschen Rassen wirklich erwähnt?
Suchen wir weiter nach mitteldeutschen Hühnern, so gelangen wir zwangsläufig in das Vogtland, jenes Bergland, welches sich durch Thüringen und Sachsen zieht. Hier finden wir das rosenkämmige Vogtländer Huhn. In der einschlägigen Literatur wird versucht, von einer jahrzehntelangen Existenz zu berichten, welche durchaus ihre Berechtigung hat. Somit erschließt sich das
vogtländische Huhn zu jenen Hühnern, die ebenfalls aus dem mittleren Teil Deutschlands stammen.
Und dann gibt es noch das Annaberger Haubenstrupphuhn, dessen Spuren wohlweislich auch in Sachsen zu finden sind. Ab 1957 erzüchtet und damit nicht viel jünger als die Dresdner. Sie wurden in diesem Werk ebenfalls vergessen.
Ein weiterer Urzwerg muss hier ebenfalls ins Gespräch gebracht werden, das Deutsche Zwerghuhn. Die Namensgebung lässt zunächst keinen Verdacht auf die Herkunft zu. Dennoch ein Zwerghuhn ursprünglicher Natur, eben ein Urzwerg, welcher aus sachsen-anhaltinischer und damit mitteldeutscher Herkunft stammt. In Magdeburg erzüchtet und ganz wesentlich in Thüringen
gefördert. Wir sprechen hier also von Wilhelm Müller (Magdeburg) und Rudolf Zersch (Thüringen). Es sind jene grandiosen Züchter, die das Deutsche Zwerghuhn ins Leben gerufen haben. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts ein unbedingter Klassiker der deutschen Urzwerghuhnzucht und somit ein Huhn aus Mitteldeutschland.
Es ist überhaupt festzustellen, dass die Versäumnisse der 1. Auflage nicht genügend erkannt wurden. Hierbei hat aber selbst die 1. Auflage nicht hinreichend recherchiert.  Das Deutsche Zwerghuhn, die Vogtländer und die Annaberger waren vor der 1. Auflage (1993) unbedingt existent und deutlich länger bekannt. Deshalb ist eine erneute Auflage unbedingt erforderlich. Das
sollte nicht mal eine Herausforderung sein, eher eine Selbstverständlichkeit.
Unabhängig der genannten Versäumnisse werden hier selbstverständlich beeindruckende Hühner aus ihrer mitteldeutschen Herkunft beschrieben. Allen voran die bärtigen Thüringer. Ein unglaublich interessanter Werdegang wird hier besonders eindrucksvoll dokumentiert. Ab 1793 von Bechstein in Erwähnung gebracht, sollte uns zeigen, dass aus einstigen, so genannten “Otterköpfen“ eine besonders wertvolle Rasse ihren Weg ging. Faszinierend sind die unglaublich vielen Farbschläge damaliger Zeit, einzigartig in der deutschen Rassegeflügelzucht.
Ehemals als “Oberbayrisches Gebirgshuhn“ oder “Sächsisches Gebirgshuhn“ bekannt gewesen, lässt vermuten, dass das Sachsenhuhn an deutsches Mittelgebirge angepasst wurde. In der Tat handelt es sich hier um ein Konglomerat diverser Rassen, mit dem Ziel, eine einzigartige Anpassung zu schaffen. Das Sachsenhuhn ist das perfekte Huhn seiner Herkunft und
damit seiner Heimat.Sind wir mal ehrlich, so ist das Dresdner Huhn eine Erfahrung deutscher Kriegsgefangenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg.
Englische Züchtungskunst wurde somit auf das kontinentale Europa übertragen. Solche Entwicklungen kennen wir aus Frankreich, jener Klassiker ist zweifelsohne in dem Deutschen Lachshuhn zu finden. Das Dresdner Huhn mag nicht aus alten Landschlägen entstanden sein, es ist dennoch an Leistungsfähigkeit beinahe nicht zu übertreffen. Wenn man so will, ein
mitteldeutsches Leistungshuhn von aller erster Güte.
Die schwanzlosen Zwerghühner aus Ruhla sind weltweit einzigartig. Solche Extravaganzen sind eigentlich nur aus Japan bekannt. Mitteldeutsche Züchtungskunst kann hier also durchaus bestehen. Japanische Zuchtfreunde haben die Ohiki, die Chabo, die Okina, die Minohiki und noch weitere Hühnerrassen hervorgebracht. Aus der Mitte Deutschlands können wir hier
durchaus mithalten. Die Ruhlaer sind besonders im perlgrauen Federkleid eine echte Herausforderung. Dieser außergewöhnliche Phänotyp gehört zu den avantgardistischsten Phänomenen, die wir kennen.
Überhaupt überzeugt diese Lektüre durch ihren überragenden Sachverstand. Historie, Leistung und Musterbeschreibungen sind im Sinne einer jeglichen Ausstellungszucht zu verstehen. Diese mitteldeutschen Herausragendheiten sind zu empfehlen, müssen aber unbedingt erweitert werden. In allen Belangen aber überaus empfehlenswert.

Erhältlich für 14,- Euro, 96 Seiten und überragende Bebilderung.