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Gefährdete Geflügelrassen und Alternative Geflügelzüchtung

Gefährdete Geflügelrassen

Das Copyright und deren Genehmigung zur weiteren Veröffentlichung liegt ausschließlich beim Autor der Rezension! 

Gefährdete Geflügelrassen und Alternative Geflügelzüchtung

Herausgeber:
Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter
Haustierrassen e. V. (GEH). 2000


(Rezension: Klaus Hupfeld)
[Der Verfasser verweist ausdrücklich, dass seine Äußerungen rein subjektiver Natur sind.]
 
Bei dieser gehefteten DIN A4-Broschüre handelt es sich um ein Werk, welches es tatsächlich in sich hat. Dieses Werk gehört zweifelsohne zu der besseren Literatur. Erstaunlich ist, dass dieses Kleinod scheinbar nur wenig bekannt ist. Das verwundert sehr, kann doch hier von einem enormen Wissensstand berichtet werden. Ein Wissen, welches an anderer Stelle noch gesucht werden muss. Daran besteht wohl kein Zweifel.
Worum geht es? Die Erhaltung alter, deutscher Geflügelrassen steht hier im Vordergrund. Die Einhaltung von simplen und damit konventionellen Vermehrungsprozessen steht hier nicht unbedingt im Vordergrund. Es geht um deutlich mehr. Der Ausstellungskäfig steht zweifelsohne nicht am Anfang einer erfolgreichen Zucht. Es wird vielmehr darauf geachtet, dass die Genorte nicht zu sehr verwahrlosen. Bedenken wir, dass wir mit den Allelen eine gewisse Sorgfalt betreiben sollten. Das mag die Kämpferzüchter als auch die Idealisten von aussterbenden Rassen erfreuen und womöglich interessieren. Wenn nicht,
dann war die Entwicklung populationsgenetischer Forschung, die spätestens seit Anfang des 20. Jahrhunderts (HARDY und WEINBERG ab 1908) begann, scheinbar umsonst. Wird dieses Werk an den entscheidenden Stellen richtig verstanden, so bietet diese Literatur auch für verbreitete Rassen und deren Züchter einen Einblick in die komplexe Welt der Populationsgenetik.

Bereits das Inhaltsverzeichnis lässt vermuten, dass hier wissenschaftlich gearbeitet wird. Der alternative Aspekt verläuft sich keineswegs in ideologischen Selbstgefälligkeiten selbsternannter Tierschützer. Im Gegenteil, hier wird der dynamische Prozess innerhalb einer Population und seinen genetischen Folgen dargestellt. Genetische Vielfalt und deren gleichzeitige Erhaltung sind hier die Alternative. Ein unbedingtes Muss für jeden Züchter, denn ein Zuchtstamm ist immer nur ein Teil des genetischen Pools, das sollte unbedingt zum Nachdenken anregen, es lohnt sich. Reduzierte Variation ist das Ergebnis unsachgemäßer Reproduktion.
Das Vorwort, gleich von zwei Autoren verfasst, ist die Anschaffung bereits wert. Im Anschluss folgt eine sehr eindrucksvolle Darstellung der Domestikationsgeschichte der verschiedenen Geflügelrassen. Ein absoluter Höhepunkt wird mit der Beschreibung der einzelnen Geflügelrassen erreicht. Wie bereits erwähnt, handelt es sich um alte deutsche Rassen. Nicht
vergessen wurden z. B. die Altsteirer und die Appenzeller Spitzhauben, keine deutschen Rassen, jedoch im deutschsprachigen Raum zu finden. Den Ursprung der Brakel Hühner in Deutschland zu suchen ist sicherlich etwas umstritten. Ihre Geschichte ist wohl eher in Belgien zu finden. Da es aber ab 1907 eine deutsche Zuchtrichtung gab, ist hier die Beschreibung durchaus wertvoll und länderübergreifend selbstverständlich dem Erhalt mehr als dienlich.
Neben den Hühnerrassen werden Enten, Gänse und Puten portraitiert. Diese Portraits sind absolut einmalig, es gibt keine Literatur, die diese Ausführlichkeit bisher erreicht hat. Das verwundert nicht, sind doch hier Experten am Werk.
Den absoluten Höhepunkt bildet die Erhaltungszucht der Vorwerkhühner. Die Idee, die genetische Vielfalt zu erhalten, ist zweifelsohne schon seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts bekannt. Bedauerlich ist, dass diese Erkenntnisse erst am Ende des 20. Jahrhunderts umgesetzt wurden. Die systematische Organisation von Zuchttieren ist der Meilenstein in der Rassegeflügelzucht. Ein Kriterium, welches bei anderen Nutztieren (Rinder, Pferde Schweine usw.) unlängst praktiziert wird.
Das kann nicht genug betont werden. Wir können heute feststellen, dass die Vorwerkhühner im 21. Jahrhundert ungemein populär geworden sind. Ein grandioser Erfolg der GEH. Einziger Nachteil ist, wenn überhaupt, dass gewisse, genetische Vorkenntnisse notwendig sind. Das Wissen um die DNA als auch die Bedeutung von Genorten ist nicht ganz zu unterschätzen. Dennoch handelt es sich hier um die wohl großartigste Wiederbelegung einer gefährdeten Hühnerrasse.
Neben dieser Erfolgsgeschichte weiß dieses Werk noch viel mehr zu berichten. Eine sehr ausführliche Auseinandersetzung mit der etablierten, kommerziellen (industriellen) Zucht wird Rechnung getragen. Viele Faktoren und entsprechende Parameter wurden analysiert. Beeindruckend sind hier die zahlreichen Tabellen und Abbildungen. Ein hervorragender Einblick, der zum
Nachdenken anregt. Nebenbei bemerkt, auf diese Art und Weise erscheint Literatur auch wirklich glaubwürdig und ist somit durchaus seriös, das kann nicht jede Literatur von sich behaupten.
Ergebnis ist, dass die kommerzielle Haltung und deren genetische Funktionsweise in jedem Fall einer kritischen Betrachtung unterliegen. Ohne viele Worte zu verlieren, dieses Kapitel trägt den Namen “Probleme der heutigen Geflügelzüchtung und mögliche Alternativen“. Wer dieses Kapitel kennt, der muss feststellen, dass es sich um einen weiteren Höhepunkt handelt.
Soll sich der Leser sein eigenes Urteil bilden. Hat man diese Broschüre gelesen, dann gehört man vielleicht zu jenen kritischen Züchtern, welche noch zu anderen Denkfähigkeiten imstande sind. Das mag aber jeder Züchter für sich selbst entscheiden.
Dieses Werk wäre unvollständig, gebe es keine Züchterliste. Die entsprechende Homepage weiß hier in eindrucksvoller Weise zu vermitteln. Es wird nicht nur für die Rassen geworben, es gibt auch Ansprechpartner. Somit erreicht dieses anspruchsvolle Werk letztendlich alle Interessierten. Zu guter Letzt sollte das Literaturverzeichnis noch erwähnt werden, derartig umfangreich und somit ein glänzender Abschluss.
Diese Broschüre verdient es, dass eine abschließende Kurzzusammenfassung erlaubt sein muss. Im Wesentlichen kommt nicht nur der Züchter alter deutscher Rassen auf seine Kosten. Neben dem Neueinsteiger als auch dem Fortgeschrittenen werden alle Möglichkeiten der Geflügelzucht vermittelt. Unabhängig jeder Ambition wird hier Grundlagenforschung betrieben.
Diese Grundlagen sind für den Einsteiger von unermesslichem Wert, aber auch dem Fortgeschrittenen werden hier noch erstaunliche Erkenntnisse näher gebracht. Alle Belange der Geflügelzucht werden ungemein sorgfältig behandelt. Sei es das Verhalten, die Unterbringung, Fütterung sowie sonstige Belange. Eine wohl erstklassige Einstiegsliteratur, die sich im Detail
jedoch recht kritisch verhält. Bisweilen muss zwischen den Zeilen gelesen werden. Möge diese Literatur ihren Weg gehen und möglichst viele unserer Artgenossen ansprechen.

Erhältlich für 7.50,- Euro. 80 Seiten und unzählige Bilder, Abbildungen, Zeichnungen und Tabellen.