Brut und Aufzucht unserer Hühner
Das Copyright und deren Genehmigung zur weiteren Veröffentlichung liegt ausschließlich beim Autor der Rezension!
Brut und Aufzucht unserer Hühner
Armin Six: Oertel + Spörer Verlags-GmbH + Co.
4. Auflage. Reutlingen. 2004
(Rezension: Klaus Hupfeld)
[Der Verfasser verweist ausdrücklich, dass seine Äußerungen rein subjektiver Natur sind.]
Zunächst einige Worte zur 3. Auflage. Bereits Herr Wolfgang Palleske hat es hervorragend verstanden, ein sehr vollständiges Werk zu diesem Thema zu verfassen. Die Brut und Aufzucht unserer Hühner mag für den erfahrenen Züchter eine Selbstverständlichkeit geworden sein, doch ist sie auch das Ergebnis jahrelanger Erfahrung. In Wort und Bild wird diese Erfahrung bereits in der 3. Auflage glänzend zusammengefasst. Besonders der Neueinsteiger und Jungzüchter ist hier außerordentlich gut beraten. Es mag nicht gleich ersichtlich sein, warum eine Überarbeitung notwendig erschien, der aufmerksame Leser mag die entscheidenden Stellen und Kapitel bemerken und sie entsprechend interpretieren.
In aller Regel lässt eine vollständig überarbeitete Auflage vermuten, dass sich auch die Anzahl der Seiten erhöht, selbstverständlich unter der Annahme, dass neues Wissen hinzukommt. Die 4. Auflage scheint dieser Regel nicht zu folgen.
Dennoch wurde hier ganz entscheidend verbessert und nachgearbeitet. Obwohl die dritte Auflage bereits vollständig und umfassend erscheint, ist die 4. Auflage nun das Maß der Dinge zu diesem Thema. Ohne Umschweife kann festgestellt werden, dass beide Auflagen ohne jede Konkurrenz sind. Das war schon bei der 3. Auflage der Fall und wird mit der 4. Auflage noch eindrucksvoller manifestiert.
Während die 3. Auflage mit schwarzweißen Bildern zu dokumentieren weiß, vermag die 4. Auflage mit gänzlich neuen Bildern aufzuwarten, darüber hinaus durchgehend in Farbe. Somit wurde die äußere Attraktivität, auf den ersten Blick gesehen, schon ganz erheblich erhöht. Literatur muss nach Höhepunkten untersucht werden. Die Bildserie “Vom 1. bis zum 21. Bruttag“ ist ein solcher Höhepunkt. Geeignet für den Neueinsteiger, Biologieunterricht, Seminare, Vorträge und nicht zuletzt auch für die BDRG-Züchterschulung. Bebilderung soll jedoch den Textinhalt begleiten und unterstützen.
An ausgesuchten Beispielen soll dargestellt werden, warum die 4. Auflage so wertvoll ist. Ich erhebe keinerlei Anspruch auf die Vollständigkeit meiner Aussagen, sondern versuche nur, die Besonderheiten der 4. Auflage herauszustellen.
Es wäre mühsam, die 4. Auflage in all ihren Textneuheiten darzustellen. Dennoch sind einige Kapitel nicht ganz unwesentlich ergänzt worden, wenigstens aber vervollständigt. Der Autor scheint ein Kenner der genetischen Sachverhalte zu sein. Ein denkbar unverzichtbares Instrumentarium, welches heute mehr denn je gesucht wird. Allzu oft wird versucht, diese komplexe
Thematik zu umgehen. Genetische Kenntnisse gehören selbstverständlich auch zur Brut und Aufzucht, hier sollte eigentlich kein Zweifel mehr bestehen. Dennoch kann man hier nicht erwarten, dass die genetischen Grundlagen erläutert werden.
Hierzu kann die einschlägige Literatur auf gänzlich andere Werke verweisen. Die “Brut und Aufzucht unserer Hühner“ ist die theoretische Vorbreitung und Umsetzung für eine erfolgreiche Nachzucht in der Praxis.
Was ist neu und warum sollte man sich diese Literatur unbedingt aneignen?
Der Autor hat es grundsätzlich verstanden, eine andere und deutlich sinnvollere Ausdrucksweise zu finden. Unsere Zuchttiere sind keine so genannten Ausgangsprodukte und schon gar nicht als Zuchtmaterial zu verstehen. Derartige Bezeichnungen sollten der Vergangenheit angehören. Das “Ausmerzen“ ist ebenfalls ein völlig veralteter Begriff. Wir befinden uns im 21.
Jahrhundert, wir benutzen heute den Begriff der Selektion. Der Autor hat hier im besten Sinne gehandelt und viel zu unauffällig auf diesen Tatbestand hingewiesen. Wir Rassegeflügelzüchter befinden uns seit Jahren im Kreuzfeuer ernstzunehmender Tierschutzaktivisten. Wir sollten unseren veralteten und sehr konservativen Sprachgebrauch überdenken und uns deutlich mehr an seriösen Fach- und Sachkenntnissen orientieren. Hier könnten wir besser argumentieren und uns erhöhten Respekt verschaffen.
Bereits im Kapitel “Der Zuchtstamm“ wird auf die Notwendigkeit der genetischen Variation hingewiesen, das ist durchaus ein Novum zur dritten Auflage. Selektion kann nur aus einem variablen Genpool stattfinden. Was hiermit gemeint? Ganz einfach, eine nahezu völlig ingezüchtete Population ist nur noch wenig selektierbar. Auch die Nachzucht, die von einer weniger viel
versprechenden Henne stammt, trägt immer zum Erhalt möglichst vieler Gene bei. Eine solche Henne kann, entsprechend verpaart, selbstverständlich erneut positive Eigenschaften in der Nachzucht hervorbringen. Hier hat der Autor ganz wesentlich auf die Populationsgenetik verwiesen. Ich verfolge exakt diese Strategie und das mit großem Erfolg.
Sehr anschaulich wir das Thema “Junghennen zur Zucht?“ bearbeitet. Mit wenigen aber klaren Worten wird gezeigt, dass eine Junghenne im ersten Jahr zwar weniger Eigewicht hervorbringt, die genetische Leistung der Henne sich jedoch nicht dadurch erhöht, dass sie in den folgenden Jahren an Eigewicht zunimmt. Demzufolge hat das Eigewicht keinen Einfluss auf die Größe
der Küken. Das konnte nicht klarer ausgedrückt werden. Was der Autor zum Ausdruck bringen will ist, dass erst das längerfristige (mindestens zwei, besser mehrere Jahre) Beobachten potentieller Zuchttiere mehr als sinnvoll ist. Wurde das Leistungsvermögen der Ahnen (Eltern, Großeltern, Urgroßeltern usw.) dokumentiert, so können wir ernsthaft von züchterischen Ambitionen sprechen.
Höchst bemerkenswert wird das Thema “Das Gewicht der Bruteier“ behandelt. Außergewöhnlich interessant und spannend zugleich. Zwar wird man keinen nennenswerten Unterschied der beiden Auflagen feststellen, dennoch muss der Inhalt hier nochmals hervorgehoben werden. Hier scheinen enorme Eigewichte (bis 85 Gramm) ganz wesentlich von der Art der Brut (also Kunst- oder Naturbrut) abzuhängen. Ich möchte hier nicht weiter vorgreifen, das muss man unbedingt gelesen haben. Es handelt sich hier um einen weiteren Höhepunkt.
Weitere Inhalte, die sich mit der Brut und Aufzucht befassen, müssen hier nicht weiter kommentiert werden. Die 4. Auflage beweist sich durch seine Ergänzungen. Alle relevanten Aspekte werden mehr als ausführlich bearbeitet, geradezu ein Lehrbuch darstellend. Theorie und Praxis kommen hier zusammen. Die 4. Auflage hat ergänzt und vervollständigt, es ist jenes
Werk, welches unumstritten allen Ansprüchen gerecht wird und längerfristig wohl keiner erneuten Auflage bedarf. Dieses Buch ist keinesfalls eine Ergänzung zu anderen Werken. Es ist viel mehr eigenständig und überhaupt ein echtes Praxisbuch. Ein Klassiker seit vielen Jahren. Die 4. Auflage kann hier nur empfohlen werden, beide Auflagen sind eine großartige Leistung.
Erhältlich für 12.90,- Euro. 80 Seiten und viele, farbige Bilder.

