Über den Kauf von Hühnern mittels Internet oder auf Geflügelschauen
In einem Artikel über Kampfhühner habe ich mich zwar noch über den Kauf von Hühnern übers Internet folgendermaßen geäußert:
"Kaufe nur Tiere, die du selbst gesehen hast. Kaufst Du zum Beispiel über das Internet, kannst Du böse Überraschungen erleben, wenn das Tier, das du aus dem Versandkarton nimmst, nicht annähernd dem entspricht, was Dir der Verkäufer am Telefon versprochen hat. Dann ist das Geld ausgegeben und Du besitzt ein Tier, mit dem man züchterisch nichts anfangen kann."
Trotzdem habe ich genau diesen Fehler gemacht und mehrere Tiere über das Internet gekauft ohne die Tiere vorher anzuschauen, geschweige denn den Züchter zu kennen oder mich über Ihn zu kundig zu machen. Mich hatte auf einmal der Rappel gepackt und wollte unbedingt 2 Hennen für Probekreuzungen einer bestimmten Kämpferrasse dazukaufen. Da ich momentan nicht mobil bin, kommen zurzeit (bei einem mir fremden und weit weg wohnendem Züchter) nur ein Kauf übers Internet und der Transport mittels einer Spedition in Frage.
Nachdem ich wusste, was für Kämpferhennen ich wollte, schaute ich im Internet, welcher Verein diese Rasse züchterisch betreut und was sonst noch über Züchter dieser Rasse per Suchmaschine herauszufinden ist. Auf einer Sonderseite für Kämpfer fand ich entsprechende Kontaktadressen, die ich dann per Email angeschrieben habe.
Außerdem kontaktierte ich zusätzlich verschiedene Züchterfreunde, die mir sagen konnten, welche Personen diese Kämpferrasse züchtet und wer erfolgreich mit dieser Rasse ist.
Zufälligerweise wurden zur gleichen Zeit im Internet mehrere Tiere dieser Rasse inseriert, da habe ich nicht lange überlegt und nach einem Anruf bei dem Verkäufer akzeptierte ich den Verkaufspreis, überwies dem Züchter den entsprechenden Betrag und organisierte die Abholung der Tiere. Während des Telefongespräches teilte mir der Verkäufer mit, aus welchen Linien seine Tiere abstammten und nannte dabei 2 Namen sehr bekannter Züchter. Diese Namen waren mir deswegen bekannt weil ich alle im Internet zu findende Informationen durchforstet hatte und es nur wenige Züchter gibt die sehr erfolgreich mit dieser Rasse züchtet. Also dachte ich, da bin ich mit dem Kauf der Tiere auf der sicheren Seite und erhalte keinen Zuchtmüll. Zwischenzeitlich hatten sich auch verschiedene Leute per Email auf meine Anfragen hin gemeldet und einer meinte, dass ich diese inserierten Tiere doch lieber vorher anschauen sollte bevor ich den Kauf tätigen würde. Außerdem würde es bald eine Sonderschau geben, auf der ich sehen könne, wie der momentane Stand der Rasse sei. Da war das Geld auf das Konto des Verkäufers aber schon angewiesen und ich konnte kaum erwarten, bis die bestellten Tiere endlich eintrafen, auch wenn ich zwischenzeitlich schon etwas Bedenken hatte, ob der Kauf dieser Tiere sinnvoll war.
Als dann mehrere Tage später die Tiere eintrafen und ich den Karton aufmachte, war die Ernüchterung ziemlich groß. Eines der Tiere war sehr blass und saß auch noch Tage später mit eingezogenem Kopf in dem für sie hergerichtetem Quarantänestall herum. Ich habe nach einigen Versuchen, das Tier wieder fit zu bekommen, dieses Tier erlöst. Auch deswegen, weil ich nicht wusste, ob ich mir mit diesem Tier eine Krankheit in meinen Bestand holen würde.
Das eingeschläferte Tier war in einem sehr ungepflegten optischen und gesundheitlichen schlechten Zustand und es war eine schlichte Unverschämtheit, mir diese Tiere so zu verkaufen, geschweige diesen Kaufpreis dafür zu verlangen. So macht ein einziger Züchter für ein paar Euro Gewinn, gewaltig Negativwerbung für eine Rasse, die immer weniger ernsthafte Züchter findet, aber bitter nötig hätte. Abgesehen von der Ernüchterung und der Gewissheit, abgezockt worden zu sein, waren die finanziellen Verluste nicht unbeträchtlich, da zusätzlich zum Kaufpreis der Tiere ja noch die Speditionskosten dazugekommen sind. Nun ja, jetzt war ich mal wieder eine Erfahrung reicher….
Aber verstehen kann ich so einen Züchter nicht. Ich selber könnte kein Tier guten Gewissens verkaufen, das auch nur im Ansatz irgendwelche Krankheitsanzeichen zeigen würde, aber das ist nicht bei allen Züchtern so und die Realität hat mich wieder auf den Boden der Tatsachen gestellt. Kein richtiger Leistungszüchter hat mir jemals ein Tier verkauft, das auch nur im Ansatz krank, geschweige nicht fit gewesen wäre, hier gilt ein Versprechen als Züchter und Zuchtkollege noch etwas, auch wenn man sich nicht immer persönlich kennt. Hohlschwätzer und Blender sind hinreichend bekannt und kein Mensch der sich ein wenig auskennt, würde bei so einem Genossen noch etwas kaufen. Trotzdem kommt es immer wieder vor das angebliche Superhähne für 160€ und mehr inseriert werden und den Besitzer wechseln ohne das der Käufer gesehen hat was der Hahn zu leisten fähig ist. Aus diesen Nachzuchten werden meist keine Siegertiere, das liegt oft daran, dass entweder die Ausgangstiere nicht zur Zucht getaugt haben, oder der Käufer schlichtweg Null Ahnung vom richtigen Züchten hat. Nicht umsonst kaufen manche Leute immer wieder Spitzentiere um ihre eigene Linie zu verbessern aber sind trotzdem nicht sehr erfolgreich.
Erfolgreiche Züchter sind kaum noch auf fremde Tiere angewiesen und wenn sie neue Tiere in die Zucht einbringen, dann mit Kopf und Verstand. Solche Züchter sehen schnell welche Eigenschaften eines Tieres Ihre eigene Zucht nach vorne bringt und stellt dementsprechend seine Zuchtpaare zusammen.
Der Kauf von Hühnern bei Ausstellungen
Nach dieser unerfreulichen Geschichte wendete ich mich an einen befreundeten Züchter, der viel mit der Ausstellung von Hühnern zu tun hat und bat um Rat, ob es sinnvoll sei, auf einer der vielen anstehenden großen Geflügelschauen best platzierte Tiere einer Rasse zu erwerben. Ich fragte auch an, wie es sich mit den Preisen auf Ausstellungen für Spitzentiere verhält, ob es Sonderrichter für Kämpfer gibt und ob bei Schaukämpfern überhaupt noch auf Leistung/Temperament geachtet wird. Es war sehr Interessant seine Meinung zu diesem Thema zu hören, er teilte mir unter anderem mit:
Andi meine Info an Dich trifft natürlich nicht auf alle Züchter zu, aber es ist schon seltsam, dass meist die mit Spitzenpreisen prämierten Tiere zum Verkauf stehen. Gute Züchter kaufen diese meistens nicht sondern suchen sich die aus, die für ihre Zucht ein Merkmal besitzen was wichtig ist (und ihre eigene Zucht verbessern). Das können auch mal weniger gute Tiere sein. Viele Züchter melden auch nicht ihre besten Zuchttiere, sondern melden vieles zum Verkauf. Einerseits natürlich um die Kosten der Ausstellung aufzufangen aber auch, um sich nicht irgendeine Krankheit mitzubringen. Gerade bei hoher Tierdichte ist dies möglich. Schlechte Erfahrungen hat da fast jeder schon einmal gemacht und sich danach geärgert.
Auf Ausstellungen sollte man keine Tiere kaufen. Meist überteuert (80-150 Euro) je nach Rasse, Qualität und Züchter und oftmals (nicht immer) "Endprodukte" der Zucht, das heißt, nicht zur Weiterzucht geeignet (Warum verkauft man wohl ein vermeintliches Spitzentier? Aus Nächstenliebe nicht :-)) Immer zum Züchter fahren. Ausstellungen bieten insofern gute Gelegenheiten, die Züchter kennen zu lernen und Kontakte zu knüpfen. Dort kann man sich erkundigen über die Verbreitung einer Rasse und mit Züchtern schon über Eigenarten der Rassen diskutieren die nicht unwesentlich für den späteren Entscheidungsprozess sind.
Auf Schauen wird das Temperament der Tiere nur in Form der Vitalität im Käfig bewertet, das heißt "hängt" ein Tier im Käfig rum, kann es sich natürlich nicht vernünftig präsentieren und wird schlecht bewertet bzw. von der Bewertung ausgeschlossen. Sonderrichter gibt es für fast alle Rassen. Das Problem ist nur, dass sie meist erst ab einer gewissen Anzahl von der Schauorganisation verpflichtet werden, bei Großschauen und Kämpferrassen ist das jedoch unproblematisch, da stellt der Kämpferclub meist seine Sonderrichter.
Es würde mich sehr interessieren, wie einige Ausstellungskämpferrassen betreffend Leistung und Robustheit einzustufen sind. Sind Leistungskämpfer hauptsächlich auf Leistung gezüchtet, werden Ausstellungskämpfer in der Regel nur auf Optik gezüchtet. Züchterisch wäre es doch eine große Herausforderung solche Rassen auch auf Leistung zu züchten, ist es doch eine Rückbesinnung auf die Herkunft mancher Ausstellungskämpferrassen.
Anderseits weiß ich auch von Züchtern, dass ihre auf Geflügelschauen gezeigten Kämpfer nicht selten Hybriden verschiedener Rassen sind und später dadurch beim Käufer in der Zucht unbefriedigende Ergebnisse liefern. Da war zum Beispiel der Käufer von Bruteiern (Ausstellungskämpfern), der sich wunderte, dass sich später bei einem Teil dieser Nachzucht auf einmal befiederte Füße zeigten, deswegen erstaunlich, da die Elterntiere auf einer Schau besonders gute Bewertungen erhielten.
Die Zucht der einzelnen Kämpferrassen ist ein schönes und interessantes Hobby, auch wenn einzelne geltungsdürftige und paranoide Spinner der Meinung sind, Kämpferzüchter in eine illegale Ecke drängen zu müssen.
Trotz der oben genannten Erfahrungen werde ich vielleicht auch zukünftig nicht umhinkommen, mir Tiere per Versand (und ohne Besuch beim Züchter) schicken zu lassen. Dann werde ich mir aber vor dem Kauf Zeit nehmen und nicht übereilt irgendwelche Tiere anschaffen, die ihr Geld nicht wert sind und erst Recht nicht zur Zucht taugen. Durch so übereilten und unüberlegten Käufe ist das Risiko viel zu groß sich in den Tierbestand Krankheiten einzuschleppen, die mehrere Jahre Zuchtarbeit in kurzer Zeit dahinrafft.
Der Kontakt zu ernsthaften Züchtern und auch zu den verschiedenen Sondervereinen war konstruktiv und dies ist auch der beste Weg, um Tiere zu bekommen, die zur Zucht geeignet sind.
Andi Haller
