Hint Horoz - Andi Haller

Türkische Hint von Abdülkadir Temel/Andreas Freyaldenhofen

Unbestritten hat die deutsche Rassegeflügelzucht einen überaus hohen Stand erreicht und die hier ansässigen Idealisten können als echte Experten bezeichnet werden. Dennoch kann man auch hierzulande nur vom Wissen und der Erfahrung anderer Züchter profitieren. Besonders die Kampfhuhn-Enthusiasten am Bosporus und in Asien sind wohl wahre Kenner der Materie und haben einige Tricks und Kniffe auf Lager, die auch uns Rassegeflügelzüchtem sehr dienlich sein können. Zumal die Zucht nach Schönheitsmerkmalen im Vergleich zur Jahrtausende alten Tradition der Kampfhuhnzüchter die Vitalität vernachlässigt.

Abdül Kadir Temel beschäftigt sich seit mehr als einem Vierteljahrhundert mit der Zucht türkischer Kämpfer und setzt damit die in der Türkei traditionelle Beschäftigung mit diesen Tieren hier in Deutschland fort. Er hat zusammen mit dieser Rasse das Wissen über Zucht und Haltung von Kämpfern aus seiner Heimat zu uns gebracht. Als Ursprungsland dieser Tiere gibt er Indien an, woher sie im Zuge der Eroberung des Subkontinents durch türkische Völker in die heutige Türkei gekommen sein sollen. Er beschreibt sie weiter: „Der Hint ist eigentlich ein Asil. In der Türkei gibt es regionale Hintschläge, die sich deutlich voneinander unterscheiden. Gängige Typen sind z B. der als Istanbuler oder der als Adana-Hahn (Süd/Ost-Typ) bezeichnete Schlag. Es gibt zwei Grundformen im Typ, Der edlere und begehrtere wird als Asil {aus den Arabischen: Reinblütig) bezeichnet Die andere Art (der Kampf-Typ) sieht insgesamt schmaler aus, ist im Gefecht aber feuriger und schneller. Manchmal fehlt es ihm allerdings an Härte und Ausdauer. Die Tiere verkörpern den hoch stehenden orientalischen Kämpfertyp und haben ein Gewicht von drei bis viereinhalb Kilogramm. Ungefähr 70% der Hints haben einen Erbsenkamm mit einer Fahne oder einem kleinen Dorn. Es gibt aber auch wulstkämmige Vertreter. Die Farbe spielt keine Rolle, wenn auch dunkle Tiere bevorzugt werden. Da die besonders agilen und vitalen Hähne durch ständige Paarungsversuche den Hennen auf Dauer Verletzungen zufügen können und um genaue Abstammungskontrollen zu ermöglichen, trennt man sie im Frühjahr voneinander. Temel dazu: „Ich persönlich habe mehrere Zuchtboxen in einer Größe von l x 2 m, worin Hähne und Hennen getrennt untergebracht werden. Die Henne kommt etwa jeden dritten Tag für 30 min zum Hahn. So weiß ich genau, von welchen Eltern die Nachzucht stammt. Es ist ratsam darüber Buch zu führen. Ein guter Züchter gibt dem Hahn ein bis maximal drei Hennen. Nach Möglichkeit sollten sie Mutter und Töchter oder Geschwister sein, also aus der Linie. Die Henne ist in der Zucht wichtiger als der Hahn. Bei meinen Bekannten in der Türkei konnte ich sehr oft beobachten, dass sie Hennen von sechs bis acht Jahren in der Zucht einsetzten, da sie sich als hervorragende Mütter bewährten, Wenn man sich Eier besorgt, vielleicht sogar aus der Türkei, sollte man unbedingt Naturbrut betreiben! Die Eier von Hint sind empfindlicher als die einfach kämmiger Rassen." Zur Vermehrung  bevorzugt Temel  eine kombinierte Methode aus Kunst- und Naturbrut. Dabei werden gleichzeitig Eier unter eine Glucke aber auch in die Brutmaschine eingelegt. Der Schlupf erfolgt ausschließlich im Kunstbrüter; die Eintagsküken werden abends der Henne untergeschoben. Als Vorteil nennt er zum einen die erhöhte Kükenzahl, zum anderen die naturnahen Aufzuchtbedingungen.

Da den Kämpfern eine besondere Aggressivität eigen ist und es schon früh zu unerwünschten Auseinandersetzungen der Tiere untereinander kommt, haben die türkischen Züchter eine besondere Strategie entwickelt: „Wenn mehrere Glucken Küken im gleichen Alter führen, nehme ich die Jungtiere mit vier bis fünf Wochen den Müttern weg und gebe sie alle zu einem einzelnen Hahn. Er nimmt die Jungen in der Regel an und führt sie wie eine treu sorgende Mutter. Vorsichtshalber sollte das aber abends oder nachts geschehen und man muss den Althahn in den nächsten Tagen beobachten, ob er die Jungtiere auch akzeptiert. Wenn die Halbstarken von einem Hahn geführt werden, passieren viel weniger Unfälle als bei einer Glucke. Die Henne geht nicht rabiat genug zwischen kämpfende Kontrahenten, der Hahn aber umso mehr. In einem Alter von etwa drei Monaten trenne ich die Tiere nach Geschlechtern. Die Junghähne bleiben wiederum mit einem alten erfahrenen Zuchthahn zusammen. Sobald sie beginnen miteinander zu streiten, beteiligt er sich an der Auseinandersetzung und die Raufbolde geben schnell klein bei. Diese Art der Haltung hat noch einen weiteren positiven Effekt. Die Anwesenheit des Althahns verlangsamt die Entwicklung der Jungtiere und die Geschlechtsreife setzt erst verzögert ein. Das hat zur Folge, dass die Hähne viel länger zusammen bleiben können. Noch wichtiger ist, dass die Junghähne zwar langsamer, aber kontinuierlich und ausgeglichen heranwachsen. Ist kein Althahn dabei, krähen sie manchmal schon mit drei bis vier Monaten, sie wachsen dann nicht mehr viel, wenn sie auch an Gewicht noch zunehmen." Das die Anwesenheit eines dominanten Althahnes offenbar Auswirkungen auf den Hormonhaushalt der Jungtiere und damit auf de­ren körperliche Entwicklung und ihr soziales Verhalten hat, ist ein hoch interessanter Aspekt, den sich die türkischen Kampfhuhnzüchter zu Nutze machen. Vielleicht können auch Ausstellungszüchter von diesen Erkenntnissen profitieren.

Abdül Kadir Temel, Andreas Freyaldenhofen