Brabançonne der Ursprung
Brabanter Bauernhuhn
Brabançonne
Brabants Boerenhoen
Benannt nach der belgischen Nationalhymne „Brabançonne“ im wallonischen Teil Belgiens und abweichend dazu im flämischen Teil Brabants als „Brabants Boerenhoen“ bezeichnet, gehen die Ursprünge des Brabanter Bauernhuhns nach Wandelt bis ins 17. Jahrhundert zurück. Im Zuge der Europäisierung dürfte der Name Brabançonne der Bekannteste sein. Der Name Brabants Boerenhoen stellt den Bezug der Rasse zur engeren Heimat, der Region zwischen den Städten Mechelen, Leuven und Brüssel her. Um die Jahrhundertwende war die Rasse auch als Topman in Flamen und Houpette in Wallonien (Wandelt) bekannt. Somit handelt es sich bei den Brabanter Bauerhühnern nicht um eine Rassekreation neuerlichen Ursprungs sondern um traditionelles Kulturgut und Aushängeschild verschiedener Regionen in Belgien. Als typische Landhuhnrasse, die vermutlich aus Kreuzungsprodukten lokaler Hühnerrassen mit Haubenhühnern hervorgegangen ist weisen sie gegenüber anderen Rassen merkliche Unterschiede auf. Einzigartig ist die für Großrassen bisher unbekannte Wachtelzeichnung in verschiedenen Farbkombinationen. In Verbindung mit ihren, den Altsteirern ähnlichen, Kopfpunkten bietet das Brabançonne darüber hinaus interessante Chraktereigenschaften, die bei vielen Hühnerrassen im Laufe der Zeit verloren gegangen sind. Die oftmals beschriebene Scheu vor den Menschen bestätigt sich in keinster Weise. Eher umgekehrt lassen sie sich als sehr neugierige und personenbezogene Tierchen beschreiben. Als eifrige Futtersucher kann man hierbei schon fast von einem Arbeitshuhn sprechen. Große Ausläufe und Abwechslung im Tagesablauf sorgen dafür, dass man als Züchter viel Freude an dieser Rasse hat. Ein besonders hoch einzuschätzender Faktor ist ihre Witterungsunempfindlichkeit. Wer Gegner der immer stärker um sich greifenden Impforgien in der Geflügelzucht ist, findet hier eine seltene Ausnahme. Besonders kälteresistent und auch gegen die typischen Hühnerkrankheiten glücklicherweise noch weitgehend imun, beeindruckt die Rasse durch eine überdurchschnittliche Legeleistung. Gibt der Standart eine Legeleistung von 168 als Durchschnitt einer größeren Hennenherde an, so muss man diese Zahl in Verbindung mit der im Vergleich zum geringen Körpergewicht großen Eigröße besonders hervorheben. Das oftmals in der Literatur genannte Eigewicht von 70 g wird zwar von Junghennen in den seltensten Fällen erreicht, ist bei Althennen aber durchaus realistisch. Um dies zu festigen ist eine strenge Selektion auf Leistung und Vitalität vorzunehmen, denn wie man bei vielen Rassen sieht, wurde im Zuge des Ausstellungswesens zu wenig auf diese Merkmale geachtet. Eine reine Schönheitszucht dürfte den Untergang dieser schönen Rasse bedeuten. Hier muss nach dem Motto „Leistung und Schönheit“ gezüchtet werden, was eine besondere Herausforderung ist und vom Züchter auch das gewisse Fingerspitzengefühl erfordert. Momentan existente Farbschläge in ihrer belgischen Heimat sind
Weiß
Schwarz
Blau
Wachtelfarbig
Silber-wachtelfarbig
Blau-gold-wachtelfarbig und
Blau-silber-wachtelfarbig
als ausgestorben gelten zur Zeit die gelben und gelb-columbia farbenen.
In der Zwergenvariante, den Brabants Boerenkriel oder Brabançonne Naine, sind vermutlich nur die wachtelfarbig gezeichneten Farbschläge existent.
Vergleicht man die in der Fachliteratur gängigen Zeichnungen der Brabançonne so wird deutlich wie schwierig bzw. abweichend die Darstellungen sind. Besonders auffällig beim Hahnengeschlecht.
Die Zeichnung weißer Brabançonne um 1900 zeigt beide Geschlechter in sehr abfallender Haltung. Die Schwanzwinkelausbildung ist beim Hahn noch eckiger skizziert wohingegen die Henne doch etwas geschwungener in der Rückenlinie anmutet.
Das folgende, deutlich jüngere Gemälde, stellt die Rasse bedeutend schlanker dar mit der typischen Landhuhnform. Eckige Formentiere mit leicht abfallender Haltung. Bei der Henne ist deutlich die Verjüngung der Körperpartie zu sehen mit der breitesten Stelle am klar ausgeprägten Legebauch. Man spricht von einer kegelförmigen Ausbildung. Eine Formulierung die leider keinen Eingang gefunden hat in die Formulierungen des aktuellen Deutschen Rassegeflügelstandards. Dort wird lediglich ein stärker ausgeprägter Bauch bei der Henne gefordert.
Auch zeigt sich hier der Hahn deutlich gestreckter und noch ausgeprägter in der Brustpartie. Ein Wunschdenken, das so sicherlich nicht zu verwirklichen ist. Deutlich ausgeprägter bei beiden Geschlechtern der Schwanzabschluss. Überträgt man diesen auf das vorhergehende Bild, so kommt das der Realität der derzeit in Belgien aber auch in Deutschland existierenden Brabanconne schon sehr nahe.
Betrachtet man nun noch etwas genauer die Ausprägung der Kopfpunkte als eines der Hauptrassemerkmale, so liefert die folgende Zeichnung die optimalen Proportionen von Schopf und Wickelkamm bei der Henne und Schopfgröße bei idealer Kammstruktur des Hahnes.
Seit 1995 sind die Brabançonne in den hiesigen Rassegeflügelstandard aufgenommen. Durch Zuchtfreund Horst Kintzel wurden relativ schnell die Farbschläge wachtelfarbig und silber-wachtelfarbig zur Anerkennung gebracht und in den darauffolgenden Jahren versucht, die Rasse zu verbreiten. Warum es bisher dennoch nicht gelungen ist diese wunderschöne Rasse im deutschen Schauwesen zu etablieren ist gleichermaßen unverständlich wie einleuchtend. Die noch vorhandene Uneinheitlichkeit in Form und Farbspiel sowie ihre Seltenheit führen dazu, dass die Brabanconne bei Schaubewertungen oft nicht in die höheren Preisregionen gelangen. Viele Züchter wenden sich enttäuscht von der Rasse ab und wählen aus der reichhaltigen Palette andere Rassen aus, die dem „erfolgsorientierten Züchter“ schneller zum Ziel führen. Wer auf Schauauszeichnungen schielt wird sicherlich schnell die Zucht der Brabançonne aufgeben. Bei der Zucht stehen, wie bereits erwähnt, andere Merkmale mindestens gleichberechtigt zur Schönheitszucht im Mittelpunkt. Das Wesen in Verbindung mit Leistung, Vitalität den feinen Zeichnungsvarianten und hochfeinen Formen bilden das Ziel der Zucht des Brabanter Bauernhuhnes und belohnen den Züchter mit einem einzigartigen Rassehuhn.




