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Langkräherrassen


Von Armin Six
 

Langkräherrassen gehören zu den traditionsreichsten Hühnerrassen der Welt. Charakteristisches Merkmal dieser Gruppe ist das im Vergleich zum „normalen“ Balzruf extrem verlängerte, z.T. bis über 20 Sekunden andauernde Krähen des Hahnes. Seit Jahrhunderten werden solche Rassen in Mitteleuropa, im Balkanraum, Kleinasien, Rußland, China, Japan und im Süden Ostasiens gezüchtet und wegen ihrer besonderen Eigenschaft als Kulturgut bewahrt. Selbst bis in die Neue Welt wurden sie verbreitet. Leider sind einige sehr selten bzw. sogar vom Aussterben bedroht.

Wurde früher gelegentlich vermutet, dass diesen Rassen eine gemeinsame, ehemals in China beheimatete Urform zugrunde liegt, sprechen jüngst durchgeführte Kreuzungsversuche ebenso wie molekulargenetische Untersuchungen vielmehr dafür, dass sich der verlängerte Krähruf mehrfach unabhängig voneinander herausgebildet und weiterentwickelt hat.

So kann kaum ein Zweifel daran bestehen, dass die Bergischen Kräher und die südosteuropäischen Berat (Bosnische Kräher) einen gemeinsamen Ursprung haben, während die türkischen Denizli-Kräher das Resultat einer eigenständigen Entwicklung repräsentieren. Belegt wird dies durch mehrfach durchgeführte Kreuzungsversuche zwischen Bergischen und Denizli-Krähern. Dabei zeigten die Kreuzungshähne einen ca. vier Sekunden andauernden und damit kürzeren Krähruf als beide Ausgangsrassen, was nur mit einem unterschiedlichen genetischen Hintergrund zu erklären ist. Auch sind die Rufe beider Rassen verschiedenartig aufgebaut: Zeigt der Bergische Kräher einen als ganzes gedehnten Ruf, wobei die letze Silbe am stärksten verlängert ist, betrifft die Rufverlängerung des Denizli-Hahnes ausschließlich die letzte Silbe, während die ersten drei verkürzt bzw. reduziert wurden.

Im Gegensatz dazu unterscheiden sich die Rufe von Bergischen und Berat-Krähern praktisch nicht. Die nahezu vollständige Übereinstimmung in Ruflänge, Stimme und Verlauf legt die Vermutung eines gemeinsamen Ursprungs beider Rassen nahe, was durch molekulargenetische Befunde und historische Überlieferungen zusätzlich gestützt wird (s.u.).

Ein gemeinsamer Ursprung ist weiterhin für die japanischen Langkräherrassen Shôkoku, Tôtenkô und Koeyoshi anzunehmen. Sie lassen sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf die chinesischen Changkuo-Kräher zurückführen, die zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert nach Japan eingeführt wurden.

Völlig unklar ist bislang die Herkunft der japanischen Tômaru, die keinerlei Beziehungen zu den übrigen japanischen Langkräherrassen zeigen sowie die der Indonesischen Kräher, deren exponierte Stellung im verwandtschaftsbiologischen System der Haushuhnrassen (s.u.) auf eine eigenständige, völlig unabhängige Entstehung hindeutet.

Nicht sicher einzuordnen sind auch die beiden russischen Rassen Jurlower Kräher und Achal Tekkiner. Hier ist sowohl eine Bezug zur europäischen Gruppe (Bergische und Berat) wie auch zu chinesischen Vorfahren (Changkuo) denkbar.

 

Beginnen wir die Betrachtung der Langkräher mit der ältesten und traditionsreichsten deutschen Hühnerrasse, den Bergischen Krähern. War ihre Herkunft lange Zeit unklar und ein kontrovers diskutiertes Thema zahlreicher Publikationen, lässt die „Wiederentdeckung“ der albanischen Berat-Kräher heute kaum einen Zweifel daran, dass der Ursprung der Rasse in Südosteuropa zu suchen ist. Gemeinsamkeiten des Krährufes beider Rassen, genetische Befunde und historische Überlieferungen schließen jede andere Theorie zur Herkunft der Bergischen Kräher praktisch aus.

Weithin bekannt ist die alte Sage, nach welcher die Vorfahren der Rasse während der Kreuzzüge ins Bergische Land gelangt sein sollen. Dies deckt sich mit der Tatsache, dass die Stadt Berat, also die Heimat der Bosnischen Kräher, nicht nur genau auf der ehemaligen Kreuzzugsroute liegt, sondern seinerzeit sogar ein Kreuzfahrerlager beherbergte.

Auch weisen genetische Untersuchungen deutlich auf einen osteuropäischen Ursprung der Bergischen Kräher hin, so dass wir also tatsächlich von einem wahren Kern der Sage ausgehen können.

Eine andere Legende verlegt den Ursprung der Rasse nach Spanien, was aus heutiger Sicht jedoch völlig ausgeschlossen werden kann. So besteht weder ein verwandtschaftlicher Bezug zu spanischen Rassen, noch sind von dort irgendwelche Langkräherrassen bekannt.

Detaillierter überliefert wird die Geschichte der Rasse zu Beginn des 19. Jahrhunderts. So weiß Bruno Dürigen zu berichten, dass einzelne Züchter bereits um 1830 spezifische Linien bzw. Stämme herauszüchteten, die sich bezüglich Erscheinungsbild und Krähruf deutlich unterschieden. Auch stand anläßlich der ersten nationalen Geflügelschau 1854 in Görlitz bereits ein Stamm Bergische Kräher. In der Musterbeschreibung von 1885 legte man sich auf den schwarz-goldbraungedobbelten als einzig anerkannten Farbschlag fest. Alle weiteren vorhandenen Farbvarianten verschwanden nach und nach, fallen jedoch auch heute noch gelegentlich in der Zucht an.

Die älteste Abbildung Bergischer Kräher findet sich 1886 in Bruno Dürigens erster Auflage der „Geflügelzucht“. Sie zeigt ein relativ hochstehendes, aufgerichtetes Landhuhn mit allenfalls mittellangem Rücken und steiler Schwanzhaltung. Die heute typische gewölbte Rückenlinie ist in dieser Abbildung nicht zu sehen, war aber, wie eine französische Darstellung aus dem späten 19. Jahrhundert zeigt, bereits in der Population vorhanden. Niederschlag in der Musterbeschreibung findet sie 1917.

Die Abbildung in Dürigens 3. Auflage von 1921 zeigt bereits den klassischen Krähertypus, mit dem die Rasse weltweite Bekanntheit erlangte. Ein imposantes, hochgestelltes Huhn mit aufgerichteter Haltung, gut mittellanger, leicht gewölbter Rückenlinie und deutlich ausgeprägtem Schwanzwinkel.

Die Dobbelung der Bergischen Kräher ist genetisch betrachtet die gröbste Form der Säumung und in dieser Ausprägung einzigartig in der Geflügelzucht. Hierbei weisen die Federn an Brust, Bauch und vorderer Rückenpartie goldbraune innen liegende Punkte auf, die in Anlehnung an die Steine eines ehemals im Bergischen Land verbreiteten Brettspieles als Dobbeln bezeichnet werden.

Typische Rassemerkmale sind weiterhin weiße Ohrscheiben, orangefarbige bis braune Augen, graublaue Läufe und ein höchstens mittelgroßer, vergleichsweise vielzackiger Kamm mit aufstrebender Fahne.

Der typische Ruf eines Bergischen Krähers beginnt tief, steigt langsam an und endet mit dem Schnork, einem Laut, der entsteht, wenn der Hahn wieder Luft einsaugt. Während des Rufes läuft der Hahn nach vorn und senkt den Kopf dabei fast bis zum Boden. Spitzenhähne krähen bis zu 15 Sekunden. Die Vereinigung der Züchter Bergischer Hühnerrassen führt jährlich Wettkrähen durch, um dieses in Westeuropa einzigartige Merkmal zu erhalten. Die Junghähne beginnen zumeist im Alter von 10-12 Wochen mit dem krähen und nicht, wie gelegentlich behauptet wurde, erst mit 8 Monaten.

Bergische Kräher sind ursprüngliche Landhühner, die sich zahlreiche Wildhuhneigenschaften bewahrt haben. Sie sind lebhaft, fluggewandt, aufmerksam gegenüber Gefahren und reagieren empfindlich auf plötzliche Veränderungen, hektische Bewegungen und fremde Personen. Der Wildhuhncharakter der Rasse macht sie jedoch für die Haltung in größeren Aufzuchtgruppen ungeeignet, da die Tiere dann erhöhtem Streß ausgesetzt sind. Bergische Kräher sind robust und vital, Befruchtungsraten von unter 90 % die Ausnahme.

Die Legeleistung beträgt entgegen vieler anders lautender Berichte jährlich 100-120 längliche, weiße bis cremefarbige Eier mit einem Eigewicht von 56-60 g. Die Hennen sind überwiegend Nichtbrüter, vergleichsweise schlechte Winterleger und benötigen in der Regel 8-10 Monate bis zur Legereife. Zuchtschwerpunkte befinden sich im Bergischen Land und, seinerzeit gefördert durch Robert Oettel, in Sachsen.

 

Eine frühe Abspaltung der Bergischen Kräher stellen die Brasilianischen Singerhühner (Gallo musico) dar. Deutsche Einwanderer haben sie im 19. Jahrhundert mit nach Brasilien verbracht, wo sie seit eh und je als Bergische Kräher bezeichnet werden. Dort wurden sie offensichtlich mit lokalen Kampfhuhnschlägen gekreuzt, worauf zuweilen auftretende Erbsenkämme, hellgelbe Läufe und z.T. rote Ohrlappen hindeuten. Tatsache ist zudem, dass in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts erneut Bergische Kräher aus Deutschland beigesteuert wurden.

Der Habitus der Tiere erinnert durchaus an den alten Typ der Bergischen Kräher; es handelt sich um relativ hochgestellte, aufgerichtete, knapp und fest befiederte, steilschwänzige Landhuhnformen mit temperamentvollem Wesen. Die Augen sind orangefarbig bis rot, der Krähruf der Hähne soll 8-12 Sekunden betragen. Die Hennen legen etwa 120 hellbraune, ca. 60 g wiegende Eier.

Auf Farbe und Zeichnung wird wenig Wert gelegt. Am häufigsten sind Porzellanfarbige mit sehr heller Grundfarbe und besonders beim Hahn fast weißen Schwingen.

 

Lange als ausgestorben galten die Bosnischen Kräher, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus Albanien und dem ehemaligen Jugoslawien mehrfach als halbwilde, zumeist wildfarbige, aber ansonsten farblich variierende, z.T. beschopfte Landhuhnformen beschrieben wurden, deren Krähruf stark an jenen der Bergischen Kräher erinnerte.

Nachdem sie lange als ausgestorben galten, ergaben jüngste Recherchen des Verfassers, dass Nachfahren der Rasse unter dem Namen Berat-Kräher (benannt nach einer albanischen Stadt) von albanischen Emigranten in der Türkei gezüchtet werden. Kurz darauf gelang es dem Bad Kreuznacher Zoologen Dr. Michael Reimann, Tiere dieser extrem seltenen Rasse ausfindig zu machen. Es handelt sich auch hier um ursprüngliche, hochgestellte und aufgerichtete Landhuhnformen mit steiler Schwanzhaltung, rot-weißen Ohrscheiben, orangeroten bis dunkelbraunen Augen und überwiegend graublauen Läufen. Die Kammform variiert, neben Einfachkämmen kommen auch Rosenkämme vor. Die Farbe der Tiere ist rezessiv weiß. Ob im Ursprungsland auch noch andere Farbvarianten vorkommen, konnte bislang nicht in Erfahrung gebracht werden.

Der Ruf des Hahnes ist von dem eines Bergischen Krähers kaum zu unterscheiden und umfaßt eine Länge von 10 bis zu 15 Sekunden. Als einziger Unterschied ist der Schnork ist etwas schwächer ausgeprägt als beim Bergischen Verwandten. Die Hennen sind überwiegend Nichtbrüter und legen jährlich 80-100 weiße bis hellgelbe, längliche Eier.

 

Eine ähnliche kulturhistorische Bedeutung wie den Bergischen Krähern in Deutschland kommt den Denizli-Krähern (Denizli horoz) in der Türkei zu. Sie repräsentieren dort die älteste gezielt gezüchtete Rasse. Nach Angaben der staatlichen Zuchtstation in Denizli sind sie mindestens 500 Jahre alt. Genaue Angaben zu ihrer Entstehung liegen nicht vor. Das Vorkommen einer im Typ identischen, jedoch „normal“ krähenden Landhuhnform in der gesamten Westtürkei läßt den Schluß zu, dass sich die mutative Verlängerung des Krährufes direkt in dieser Population herausgebildet hat. Diese Theorie deckt sich zudem gut mit den Ergebnissen der oben beschriebenen Kreuzungsversuche, die einen Bezug zu den europäischen Langkrähern (Bergische und Berat) praktisch ausschließen.

Denizli-Kräher lassen einen kräftigen, relativ gleichmäßigen Ruf hören, der zumindest gelegentlich mit einem Schnork endet und sich z.T. über 20 Sekunden erstreckt. Im Gegensatz zum Bergischen Kräher senkt der Hahn den Kopf nicht nach unten, sondern hält ihn während des Krähens gleichmäßig aufrecht bzw. bewegt ihn abwechselnd nach links und rechts. Im Extremfall wird der Kopf sogar nach hinten gestreckt. Solche Hähne gelten nach Angaben der Staatlichen Zuchtstation besonders gute Kräher.

Auch die Denizli verkörpern eine ursprüngliche Landhuhnform mit aufgerichteter Körperhaltung und rechtwinklig getragenem Schwanz. Die Läufe sind schieferfarbig, die Augen dunkel, der Einfachkamm maximal mittelgroß und tief gezackt, die Ohrscheiben variieren im Ursprungsland zwischen rein weiß und vollständig rot. Zumeist sind sie rot mit weißen Einlagerungen bzw. weiß mit rotem Rand. Abweichend davon werden hierzulande aus nicht nachvollziehbaren Gründen ausschließlich rote Ohrlappen angestrebt.

Farbe und Zeichnung des knappen und festen Federkleides spielen im Heimatland ebenso wie die übrigen äußeren Merkmale keine Rolle Die Tiere sind schwarz-gold oder schwarz-silber mit unterschiedlicher Zeichnungsintensität. Da rein schwarze Tiere aus den Ursprungsbeständen nicht zu erzielen waren (die in der Türkei als schwarz geltenden Hähne zeigen immer ein Minimum an Zeichnung im Schmuckgefieder) ging man in Deutschland den aus Sicht der Erhaltungszucht sehr fragwürdigen Weg der Einkreuzung. Durch Kreuzung mit der schwarzen japanischen Langkräherrasse Tomaru und anschließender Rückpaarung an Denizli übertrug man die schwarze Farbe bei gleichzeitiger Rekonstruktion des typischen Krährufes auf die Ausgangspopulation. In diesem Kontext muß die grundsätzliche Frage erlaubt sein, ob eine Anerkennung als Schaurasse in Deutschland höher einzustufen ist als die jahrhundertealte Zuchttradition des Heimatlandes.

Denizli-Kräher sind robuste und vitale Tiere. Die Küken sind trotz häufig auftretender asiatischer Gefiederbremse widerstandsfähig und unempfindlich, die Junghennen mit 6 Monaten reif für eine Legeleistung von ca. 120-150 weiß- bis cremefarbigen, 55-58 g schweren Eiern, während die Hähne vergleichsweise lange (10-11 Monate) bis zur völligen Ausreifung benötigen.

Geradezu vorbildlich ist die Einrichtung einer staatlich geförderten Zuchtstation in der türkischen Heimatstadt Denizli, wo die Rasse auf breiter Basis erhalten und verbreitet wird und dem rassetypischen Krähruf besondere züchterische Bedeutung zukommt. Hier werden 100 Stämme je 1,5-1,6 gehalten, wobei man jährlich 15 Althähne durch Junghähne austauscht. Da die meisten türkischen Geflügelhalter nicht selbst züchten, kommt der Zuchtstation eine übergeordnete Rolle bei der Erhaltung der Rasse zu. Verkauft werden Bruteier, Küken und ausgewachsene Tiere. Dabei wird jährlich die stattliche Zahl von 20.000! Küken abgesetzt. Die Hähne in der Zuchtstation beginnen zumeist mit 15 Sekunden Krähruflänge und steigern sich als ausgewachsene Tiere bis auf 20-25, in Extremfällen sogar über 30 Sekunden.

 

Die russischen Jurlower Kräher (Jurlovskie golosistie) werden seit mehr als 300 Jahren in Zentralrußland gezüchtet. Hervorgegangen sein sollen sie aus Kreuzungen zwischen Cochin, Brahma, Kämpfern und Regionalschlägen, was bedeutet, dass der verlängerte Krähruf nur von den Lokalschlägen herrühren kann. Die Einkreuzung der schweren asiatischen Rassen machte den Jurlower Kräher zum schwergewichtigen Giganten unter den Langkrähern. Die Länge des in Zusammenhang mit der Körpermasse außerordentlich tiefen und erst im Alter von 6-9 Monaten vernehmbaren Rufes wird im Heimatland mit 9-17 Sekunden angegeben; Importtieren hierzulande kamen auf maximal 6 Sekunden. Besonderer Wert wird auf die Ausbildung der klangvollen Stimme gelegt, die mindestens genauso wichtig ist wie die Ruflänge.

Jurlower Kräher präsentieren einen waagerechten, massigen Rumpf mit mittellangem, gut befiedertem, beim Hahn etwas stärker angewinkelt getragenem Schwanz. Sie kommen sowohl in Einfachkämmig aus auch in Rosenkämmig vor, die Augen sind dunkelbraun, die Ohrlappen rot. Die Färbung von Gefieder und Läufen variiert sehr stark. Großer Wert wird auf die Ausbildung einer Kehlwamme gelegt.

Die massiven Tiere sind allgemein von ruhigem, friedlichem Charakter. Als leicht mästbare und leistungsstarke Rasse, deren Hennen jährlich 120-130 Eier mit einem Gewicht von 60-90! g legen, standen sie bei der Herauszüchtung so mancher russischer Zwiehuhnrasse Pate.

Die aus den kasachischen und turkmenischen Steppen stammenden Achal Tekkiner (Achal Tekkinski) verkörpern einen gut mittelhoch gestellten, schweren Landhuhntyp mit einfarbig heller, fast weißer Gefiederfärbung, Einfachkamm, blauen Beinen und roten Ohrlappen. Die Augen sind dunkel, der Schnabel hornfarbig. Damit erinnern sie ein wenig an die Berat-Kräher. Die Länge des außerordentlich tiefen Krährufes wird mit 10-12 Sekunden beschrieben. Da genaue Angaben zur Herkunft nicht vorliegen, läßt sich zur Zeit nicht abschätzen, ob die Rasse einen ursprünglichen Typ verkörpert oder, wie gelegentlich behauptet wird, das Ergebnis von Kreuzungen mit Wirtschaftsrassen darstellt.

 

Ein außerordentliches und absolut bemerkenswertes Phänomen stellen die aus dem Westen Javas, und hier vornehmlich der Region Cianjur stammenden Indonesischen Kräher (Ayam Pelung) dar. Denn wie die molekulargenetischen Untersuchungen von Fumihito et. al. (1996) zeigten, bilden sie zusammen mit den ebenfalls auf Java beheimateten schwarzhäutigen Ayam Cemani einen eigenständigen Zweig innerhalb der Haushühner, der verschiedenen Teilpopulationen der Unterart Gallus gallus gallus nahesteht und nur wenig Bezug zu den übrigen untersuchten Rassen (Leghorn, Barred Rocks, Nagoya und Bantam) aufweist.

Die Läufe sind in der Regel graublau mit bevorzugt schwärzlicher Tönung, die Iriden gelb mit oft roten Einlagerungen, die großen Ohrlappen rot, Einfachkamm und Kehllappen äußerst groß und für unsere Verhältnisse geradezu überdimensioniert. Neben dem Hauptfarbenschlag Schwarz-rot sind weiterhin Weizenfarbige verbreitet. Weiße und wohl auch noch andere Varianten kommen seltener vor.

Die Hennen sind gute Brüter, die nach dem Legen von ca. 16 bräunlichen Eiern zur Reproduktion schreiten. Erste Einfuhrbemühungen nach Deutschland scheiterten, da die Küken relativ empfindlich bzw. nur schlecht an unsere hiesigen Bedingungen angepaßt sind.

Im Heimatland, wo die Zucht als Hobby der Oberschicht gilt und sogar staatliche Förderung genießt, wurde 1962 ein Verein zur Erhaltung der Rasse gegründet.

 

Die folgenden Langkräherrassen sind allesamt japanischer Herkunft. Literaturquellen aus dem Heimatland sprechen dafür, dass sie in mehreren Wellen aus China den Weg ins Land der aufgehenden Sonne fanden. Drei dieser Rassen, die Tôtenkô, Koeyoshi und Tômaru, werden seit den späten 80er bzw. frühen 90er Jahren des 20. Jahrhunderts auch in Deutschland gezüchtet.

 

Die älteste Form japanischer Langkräher stellen ganz offensichtlich die sowohl als Vorfahren vieler Langschwanz- wie auch einiger Kräherrassen geltenden Shôkoku dar. Sie sollen nach van Gink (1956) während der Heian-Epoche (794-1192) durch einen japanischen Botschafter aus dem chinesischen Distrikt Changkuo (wovon sich der Name ableitet) eingeführt worden sein. Dies steht in Einklang mit chinesischen Angaben, wonach in Nanking und Soochow (in der Nähe des besagten Distrikts) zwischen 206 v. Chr. und 1272 n. Chr. ein Kräherhuhn gezüchtet wurde, das in Form, Farbe und Haltung den Shôkoku ähnelte. Definitiv werden Shôkoku im 12. und 13. Jahrhundert in Japan nachweisbar.

Die frühe Existenz von Langkräherrassen in China wurde oft als Indiz für deren dortige Entstehung interpretiert. Doch beweist sie nur, dass Langkräher zu jener Zeit in China gezüchtet wurden. Sie schließt in keiner Weise aus, dass sie anderenorts nicht schon früher vorhanden waren und im Rahmen des kulturellen Austausches nach China gelangten bzw. mehrfach unabhängig voneinander entstanden sind. Molekulargenetische Hinweise, die einen allgemeinen Bezug von Langkrähern zu Rassen chinesischer Herkunft wahrscheinlich machen, konnten jedenfalls bis zum heutigen Tage nicht erbracht werden.

Auch heute noch stellen die im Heimatland nach wie vor populären Shôkoku eine Übergangsform zwischen „normal“ krähenden Hähnen und Langkrähen dar. Ihr Krähruf erstreckt sich im Schnitt über 5 Sekunden.

Shôkoku verkörpern einen eleganten, langfiedrigen Landhuhntyp mit fließendem Übergang zum Schwanz, dessen Hauptsicheln mehr als 90 cm Länge erreichen und zusammen mit dem Sattelgefieder den Boden berühren sollen. Zu den Rassemerkmalen zählen weiterhin ein mittelgroßer Einfachkamm, horn- bis gelbhornfarbige Schnäbel und Läufe sowie überwiegend rote Ohrlappen. Obwohl früher ganz offensichtlich auch Weiße und Goldhalsige vorkamen, verblieb als einziger heute noch anerkannter Farbenschlag lediglich der Silberhalsige.

 

Als eine in direkter Linie von den Shôkoku abstammende und auf langen Krähruf selektierte Rasse sind die Tôtenkô zu betrachten.

Der Ruf dieser lt. Mori (1996) erstmals 1879 in der Literatur sichtbaren, aber wohl weitaus älteren Rasse beträgt in Japan im Schnitt ca. 14 Sekunden, doch sollen auch Spitzenleistungen von über 20 Sekunden nicht selten sein. Hierzulande, wo die Rasse 1989 eingeführt wurde, betragen die Maximalwerte stattliche 15-18 Sekunden.

Die Unterschiede zu ihren vermeintlichen Vorfahren, den Shôkoku, betreffen weniger den Grundtyp als vielmehr die Details. So haben Tôtenkô weiße Ohrscheiben und weidengrüne Läufe. Auch sind sie etwas schwerer als die Urform. Weiterhin bestehen farbliche Unterschiede. So sind Tôtenkô nur im bei Shôkoku nicht (mehr) vorhandenen goldhalsigen Farbenschlag zugelassen, obwohl, zumindest vereinzelt, auch weiße und silberhalsige Exemplare vorkommen.

Tôtenkô gelten als gute Brüter. Die jährliche Legeleistung beträgt ca. 100 gelblich weiß bis bräunlich gefärbte, etwa 40 g schwere Eier.

 

Mit den Koeyoshi begegnet uns erstmals eine Langkräherrasse von durchweg kämpferartigem Habitus, was keinen Zweifel daran bestehen läßt, dass sie aus der Kombination von Langkrähern und Kämpfern entstanden sind. Unklar war lange Zeit nur, ob es nun Tôtenkô- oder Tômaruartige Vorfahren waren, die dem „Baß“ unter den Langkrähern Ruflängen von maximal mehr als 20 Sekunden (Mittelwert in Japan ca. 11 Sek.) vererbten. Aufschluß hierüber geben die von Takahashi et. al. 1998 durchgeführten molekulargenetischen Untersuchungen, aus denen hervorgeht, dass sämtliche untersuchten japanischen Rassen einschließlich der Koeyoshi nah miteinander verwandt sind und lediglich die Tômaru einen weit außenstehenden Zweig zu diesen bilden. Für die Koeyoshi bedeutet dies folglich, dass sie wohl aus den Tôtenkô bzw. deren Vorfahren, den Shôkoku, entstanden sein müssen.

Charakteristikum der Rasse ist der besonders tiefe, dabei aber erstaunlich leise, und bestenfalls mit geschlossenem Schnabel vorgetragene Ruf, dem die Koeyoshi ihren Namen, der soviel wie „gute, lange Stimme“ bedeutet, verdanken. In ihrem Heimatland erfreuen sie sich glücklicherweise noch großer Beliebtheit, die Zahl der aktiven Züchter soll derzeit etwa 200 betragen.

Koeyoshi zeigen einen leicht aufgerichteten Kampfhuhntyp mit voll entwickeltem, gut besicheltem Schwanz, Erbsenkamm, Kehlwamme, perlfarbigen bzw. goldenen Iriden und gelben Läufen. Einziger Farbenschlag ist der Silber-wildfarbige.

Trotz ihres kämpferartigen Aussehens sind sie friedlich und gut verträglich, brüten verläßlich und legen ca. 80 hellbraune, im Schnitt 45 g schwere Eier.

Nach Deutschland wurden sie 1993 eingeführt, wo Spitzenkräher zur Zeit auf 13-14 Sekunden Krähruflänge kommen.

 

Nahezu keinen verwandtschaftsbiologischen Bezug zu den übrigen japanischen Langkrähern zeigen die Tômaru, die nach Takahashi et. al. (1998) einen genetisch außenstehenden Zweig innerhalb der japanischen Heimatrassen bilden. Diese Ergebnisse decken sich mit japanischen Angaben, nach denen sich die Rasse auf einen schwereren, auch als Ôtômaru (Große Tômaru) bezeichneten Typ, der um 1615 aus China importiert und ab ca. 1870 durch Selektion auf langen Krähruf zur heutigen Form weiterentwickelt wurde, zurückführen läßt. Eine immer wieder angenommene Entstehung aus besagten Ôtômaru und Shôkoku kann demnach weitgehend ausgeschlossen werden. Figur, Farbe und nicht zuletzt die schwärzlich pigmentierten Kopfpunkte erinnern stark an die auf Java beheimateten Ayam Cemani, deren nachgewiesener verwandtschaftlicher Bezug zu den Indonesischen Langkrähern Ayam Pelung (Fumihito et. al. 1996) einen Hinweis auf die eigentliche Herkunft der Tômaruvorfahren liefern könnte.

Der tiefe und melodische Krähruf der Tômaru erstreckt sich im Mittel über ca. 11 Sekunden. Maximalwerte liegen im Heimatland bei 16-18, hierzulande bei 12 Sekunden. Neben der Länge, die den wichtigsten Aspekt bei der Bewertung des Rufes darstellt, wird auch auf Stimme und Intonierung größter Wert gelegt. 1939 wurde die in Japan nach wie vor populäre Rasse zum Kulturdenkmal ernannt.

Tômaru verkörpern einen eleganten, kräftigen und vollschwänzigen Landhuhntyp. Einfachkamm, Gesicht und Kehllappen sind dunkel maulbeerfarbig, die Ohrlappen dunkelrot mit schwärzlichen Einlagerungen, die Iriden rotbraun und die Läufe dunkel schiefergrau bis schwarz. Neben den schwarzen kommen im Heimatland, wenn auch sehr selten, noch weiße Tiere vor.

Tômaru sind von ruhigem Wesen und werden gegenüber ihren Betreuern rasch zutraulich. Die Hennen sind keine Winterleger. Sie legen jährlich ca. 70 cremfarbige bis hellbraune, etwa 55 g schwere Eier und schreiten gelegentlich auch zur Brut.

Als nahe verwandt mit den Tômaru und eventuell aus einer Kreuzung dieser mit Shôkoku hervorgegangen gelten die Kurokashiwa. Sie ähneln den Tômaru, sind jedoch etwas kleiner, eleganter und langschwänziger. Einfachkamm, Gesicht, Ohr- und Kehllappen sind dunkel pigmentiert, die Läufe schieferblau bis weidengrün, die Iriden kastanienbraun. Der Krähruf beträgt im Mittel etwa 6, maximal ca. 10 Sekunden. Ganz offensichtlich kommen sie nur schwarz vor.

 

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