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Menfighter – Gegen Menschen aggressiver Hahn

In der amerikanischen Cockerszene werden Hähne die Ihre Besitzer, oder andere Personen, angreifen mit „Menfighter“  bezeichnet.

Als ich mit der Kämpferzucht anfing habe ich immer wieder von Hähnen gehört die Menschen angreifen, hatte aber in meiner eigenen Nachzucht nie ein Tier mit derartigem Verhalten. Bisher war ich auch immer der Meinung das solche Hähne dem Kochtopf zugeführt werden sollten. Zwischenzeitlich habe ich meine damalige Meinung revidiert und sehe das Problem mit den Menfighter etwas differenzierter.

Grundsätzlich ist aber festzustellen, das Menfighter nicht nur bei Kampfhuhnrassen, sondern besonders bei den „normalen“ Hühnerrassen vorkommen. Oft genug hörte ich bei Züchtern normalen Hühnerrassen dass z.B. Italienerhähne eine Neigung besitzen sollen Menschen anzugehen, auch Hähne von Seidenhühnern können Aggressives Verhalten gegen Menschen an den Tag legen.

Die Hähne die sich Menschen gegenüber aggressiv verhalten würde ich selber in drei verschiedene Kategorien einteilen. In diesen Kategorien kann es wiederum zu Vermischungen kommen wenn verschiedenen Komponenten zusammentreffen.

1. Die Tiere die aus Handaufzucht stammen und falsch sozialisiert sind

Bei der Handaufzucht sehen Tiere den Menschen als zu ihrer Gattung dazugehörig an, der Mensch ist für sie oft Bezugspartner, Fütterer und Beschützer. Wenn die Geschlechtsreife eintritt, werden sie versuchen in der Rangfolge vor dem Menschen zu stehen. Der Mensch ist für sie ein Sozialpartner und dadurch nun auch ein Konkurrent. Der Hahn versucht nichts anderes als in der Rangfolge innerhalb seiner Herde zu steigen, dieses Dominanzstreben ist für einen Hahn arttypisch. Je nach Rasse und Temperament ist dieses Verhalten unterschiedlich ausgeprägt. Es ist nicht der Fehler des Hahnes dass er von uns Menschen falsch geprägt wurde.

2. Sehr dominante und selbstsichere Hähne (die evtl. in der Jugendphase von Menschen geärgert wurden)

Selbstbewusste Hähne versuchen ihre Hennen zu beschützen. Versucht nun ein Halter eine Henne aus der Herde zu greifen, versuchen der Hahn seine Henne zu beschützen und greift den vermeintlichen Angreifer an. In der Rassezucht werden oft solche Hähne aus der Zucht eliminiert, auch dann wenn sich ein Hahn nicht mit anderen Hähnen verträgt. Ich kenne Rassegeflügelzüchter jeglicher Rasse die solche Junghähne dem Kochtopf zuführen weil sich so mehrere Junghähne ohne Probleme zusammen halten lassen.

3. Hähne aus reinen Leistungslinien deren Aggressivität ein natürliches Maß überschritten hat.

Bei reinen Asilarten (z.B. Indische Asil, Lari) die aus Leistungslinien stammen sind Menfighter eher selten, meiner Ansicht nach kommt dieses Symptom nur dann in diesen Rassen vor wenn die Leistungszucht durch die stetige Selektion auf Leistung einen sehr hohen Grad an Aggressivität erreicht hat. Beim ständigen Umgang (Training & Pflege) des Halters mit seinen Tieren findet eine gewisse Sozialisation (siehe Punkt 1) statt, bei der das Tier später den Mensch als Rivale ansieht.

In Leistungslinien in denen ein großer Anteil an Bankaviablut fließt (z.B. Argentinier oder Belgischer Kämpfer) ist der Anteil an Menfighter ungleich größer als bei den Asilartigen Kämpfern.

Werden die Hähne in Boxen gehalten und kommen nicht mit anderen Menschen zusammen, als der Umgang mit Ihren Halter, sind die Aggression gegen ihn noch relativ leicht zu handhaben. Schwierig wird’s bei Auslaufhaltung wenn der Hahn mit anderen Menschen in Kontakt kommt.

Sind die Hähne noch klein findet es der Züchter vielleicht lustig wenn nur wenige Wochen alte Kämpferhähnchen Imponiergehabe (Hängeflügel) zeigen wenn er den Garten betritt. Tritt der Junghahn .z.B. dann aber mit 6 Monaten und über 3kg Lebendgewicht eine Futterdose zu Brei (die die Partnerin des Züchters in der Hand hält), dann ist er sich spätestens in diesem Moment bewusst dass es sich jetzt ausgelacht hat und Handeln angesagt ist.

Ein Hahn kann durchaus das Verhalten der Menschen unterscheiden die ihm gegenüberstehen. Ein selbstsicheres Verhalten kann den Hahn davon abhalten den Menschen anzugreifen, muß aber nicht. Ein Hahn der in einem Moment noch aus der Hand frisst, kann im nächsten Augenblick zuschlagen wenn der Mensch aufsteht oder eine für ihn provozierende Bewegung macht.

Verfügt ein solcher Hahn alle positiven Eigenschaften die einem Kampfhuhn eigen sein sollten, wäre es meiner Meinung nach eine Schande solch ein Tier zu schlachten ohne das es vorher seine guten Eigenschaften weitergegeben hat.

Versuch

Ich habe die Blechdose auf eine Waage gelegt und sie ungefähr so tief eingedellt wie der Hahn als er nach meiner Partnerin geschlagen hat. Über 25kg Druck waren dazu nötig die Blechdose annähernd derartig einzudellen. Der Hahn wog zu diesem Zeitpunkt ca. 3,2kg und hatte noch keine ausgebildeten Spore. Leicht auszudenken was ein schwererer Hahn anrichten kann und sich bei seinem Tritt die Schlagstärke auf weniger als einen Quadratmillimeter konzentriert wenn die Sporen fertig ausgebildet wäre.


Menfighter - Aggressive Hähne

Allgemeines über aggressive Hähne

In der Literatur schreibt zum Beispiel C. Engelmann zum Verhalten der Hühner zu Artfremden:
Das Verhalten zu Artfremden hängt weitgehend von Erfahrungen und der persönlichen Eigenart ab. Es gibt Tiere, die es nicht wagen, auf Enten, Gänse oder andere körperlich größere Tiere (Puten und Hunde z.B.) loszugehen, während andere mutig den Kampf suchen oder die Fremden zu vertreiben versuchen. …. Hähne leichter Rassen übertreffen in dieser Hinsicht leicht die schweren Körperbautyps, die zwar körperlich stärker aber viel zu schwerfällig und zahm sind, um mutwillig Artfremde anzugreifen.

 

Manche Züchter halten das Angreifen ihrer Hähne als Zeichen von besonderem Mut und Kampfbereitschaft, meiner Ansicht nach ist das völliger Schwachsinn. Genau so wie einzelne Rassegeflügelzüchter der Meinung sind das Hähne die KEINE Menschen angreifen (wenn sie das Revier des Hahnes betreten) völlige Pfeifen sind. Für sie ist es ein natürliches Verhalten eines „guten“ Hahnes und sehen es in Bezug für ein „lobenswertes“ Verhalten. Es ist zu vermuten dass diese Tierhalter die eigenen Minderwertigkeitskomplexe mit dem aggressiven Verhalten ihrer Hähne kompensieren.

Darüber hinaus vergessen diese Tierhalter dass wir heutzutage Tiere halten die seit tausenden Jahren domestiziert wurden und Aggressionen gegenüber ihren Haltern abgezüchtet wurden. Zu Recht, ein artgerechtes Halten von Tieren soll im Einklang der Natur stattfinden und nicht gezeichnet sein von gegenseitiger Aggressivität.

Es gibt vereinzelt auch die Auffassung das Hähne die Aggressivität gegenüber Menschen zeigen, ihre Hennen besser befruchten und besser auf Ihre Herde aufpassen. Aggressivität wird hier mit Vitalität verwechselt. Halte ich Geflügel das nur noch auf Schönheit und Aussehen gezüchtet wird, so ist es kein Wunder das Leistung und Vitalität auf der Strecke bleiben und so bei einigen Rassehähnen die Befruchtung zu wünschen übrig lässt.

Gute Hähne sind diese; die ihre Herde beschützen, die Hennen gut befruchten, ihre positiven Rasseeigenschaften an ihre Nachkommen weiter vererben und den Mensch nicht als Konkurrent und Gegner ansehen. So macht der Umgang mit unseren Tieren Freude und für unsere Umwelt angenehm erlebbar. Aggressivität bei Hühnern wird nicht nur erlernt, sondern wird auch vererbt.

Ein aggressiver Hahn hat in einer Hobbyhaltung oder auf einem Landwirtschaftlichen Betrieb nichts zu suchen wo sie Menschen verletzen können. Erst Recht nicht wenn dort Kinder zu Schaden kommen können. In diesem Falle würde ich das Tier als hochwertiges Lebensmittel betrachten, das bei mir im Garten artgerecht aufgewachsen ist und nun seiner Bestimmung zugeführt wird.

Andi Haller