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Lichtprogramm zur Erzeugung von Bruteiern bei Kampfhühnern

Protokoll eines Versuches


Einleitung

Anfang Januar 2008

Da ich unbedingt frühe Nachzucht aus zwei älteren Hinthennen möchte, bin ich am überlegen wie ich die 2 älteren Damen zum vorzeitigen Eier legen überreden könnte. Ihre letzte Legephase hatten sie im Sommer vergangenen Jahres und  machen bisher keinerlei Anzeichen um wieder Eier zu legen. Einer der Althennen (A) hat eine Verletzungsbedingte Behinderung und möchte sie deswegen keine Küken führen lassen. Da momentan gerade 2 der Junghennen begonnen haben Eier zu legen, wäre es natürlich prima wenn auch die Althennen mit dem Eierlegen beginnen würden. Dann wäre die Chance relativ groß, das zwischenzeitlich eine dieser Junghennen bald gluckig würde und ich sie zum ausbrüten der Eier von Althenne A nehmen könnte. Ich ziehe die Naturbrut, der Kunstbrut auf jeden Fall vor.

Da in der Wirtschaftsgeflügelzucht, genauso wie bei vielen Hobbyhaltern, zur Verlängerung des Tages (im Winterhalbjahr) künstliche Lichtquellen benützt werden, wollte ich das auch mal versuchen. Die Verschiebung der längeren Helligkeitsphasen gegenüber den kürzer werdenden Nachtphasen
soll den Hormonhaushalt der Henne in Schwung bringen. Damit zusammenhängig soll ein erhöhter tierischer Eiweißanteil im Futter, das im Frühjahr erhöhte natürliche Eiweisangebot (durch Kleingetier, Insekten, etc.) simulieren. Vielleicht stellt sich ja der Hormonhaushalt meiner älteren Hennen (auf die künstlich erzeugten längeren Tage) darauf ein und beginnen mit einer Legphase.

Ausgangslage ist nachstehender Tierbestand:

1 Hahn
6 Hühner (5 Kämpfer, 1 Legehybride)

incl.
Althenne A
Althenne B

Bei der Ernährung wird darauf geachtet das sie optimal mit Vitaminen, Mineralien und Proteinen versorgt sind.


Stallbedingungen, technischer Aufwand, Beleuchtungszeiten und klimatischen Gegebenheiten:

- ca. 7qm Stallfläche
- Wände weis gekalkt
- gr. Fenster

- 20Watt Energiesparlampe (nicht flackernd)
- Zeitschaltuhr
- Kamera im Stall mit Infrarotbeleuchtung
- Überwachung der Nestern mit DVR und Motion Detection
(zwecks Bruteikontrolle und Verhaltensüberprüfung)


Beleuchtungsbeginn morgends: 4Uhr
Beleuchtungsende Morgends: bis Tagesbeginn, 8:15 Uhr

Beleuchtungsbeginn Nachmittags: Bei Einbruch der Dämmerung, 15:30 Uhr
Beleuchtungsende Abends: 18 Uhr

Die Klimatischen Bedingungen waren zu diesem Zeitpunkt nicht ungünstig. Teilweise sonnig und eine Temperatur von Tagsüber bis 5-18°C Grad, nur vereinzelt Nachts bis -10°C.

In der ersten Woche habe ich mit 12 Std. Beleuchtungsdauer angefangen um die Tiere an das Lichtprogramm zu gewöhnen. Dämmerungsbeginn zu diesem Zeitpunkt: ca. 15:30 Uhr, Tageshelligkeit: ab ca. 8 Uhr.
Kurz vor Beginn des Lichtprogramm haben 2 Junghennen schon mit ihrer ersten Legephase begonnen. Alle Tiere können nach verlassen des Stalles den unbegrenzten Freiauslauf nutzen.

Bemerkungen zur 1. Woche

Die Hühner benötigen Morgends nach einschalten der Lampe ca. 10 Minuten bis zur Aktivitätsphase. Also der Zeitpunkt, bis sie von den Sitzstangen abgebaumt haben, um zu fressen und zu trinken.
Die ersten Tage nach Lichtprogrammbeginn wollten die Hühner zum Schlafen ca. 1-2 Std. früher als sonst ihren Stall  aufsuchen, auch wenn draußen noch die Sonne scheint. Trotz Nachmittäglichem Lichtprogramm saßen sie auf der Stange und versuchten zu schlafen. Die Legehybride die vor diesem Zeitunkt teilweise frühmorgends (mangels Licht) ihr Ei auf dem Kotbrett ablegte, hatte nun dank Licht die Möglichkeit das Nest aufzusuchen.

16Uhr - Hühner baumen trotz schönem Wetter auf - Video

Bemerkungen zur 2. Woche

Allmählich gewöhnen sich die Tiere an das frühmorgendliche Lichtprogramm und brauchen zum Abbaumen nur noch wenige Minuten. Ende der 2. Woche Anzeichen von Althenne A das sie bald mit dem Eierlegen beginnt. Althenne B schaut öfters in die Legenester, ansonsten nichts auffälliges.


Bemerkungen zur 3. Woche

Althenne A beginnt unregelmäßig die ersten Eier zu legen.
Auch in der 3. Woche haben sich die Tiere an die Spätnachmittägliche künstliche Beleuchtung gewöhnt. Ich habe diese von 18 Uhr auf 17 Uhr gekürzt, insgesamt sind also noch 13Std. Lichtprogramm.  Mitte der 3. Woche habe ich in die Legenester mehrere markierte Eier gelegt. Der Berührungsreiz durch mehrerer Eier soll angeblich bei legende Hennen den Bruttrieb erhöhen, bzw. beschleunigen.


Bemerkungen zur 4. Woche

Anfang der Woche: Althenne A legt immer noch unregelmäßig Eier, bei Althenne B ist das Interesse am Nest erloschen. Eine der Junghennen beginnt gluckig zu werden, verläßt das Nest aber wieder. Bei den restlichen Hennen keine Veränderung. Morgends dürfen die Tiere jetzt nicht mehr sofort in den Freiauslauf, sondern verbleiben erst einmal im Kleingehege am Stall. Dabei konnte ich feststellen, das sich die 2 legenden Junghennen öfters am Nest aufhalten als wenn sie sofort in den großen Freiauslauf können.
Mitte der Woche: Die zwei Junghennen sitzen zwischenzeitlich fest auf ihren Nestern und haben angefangen zu brüten. Eine der Junghennen habe ich in einen extra für sie hergerichteten Stall umgesetzt, sitzt sie auch  morgen noch fest auf ihren Eiern, bekommt sie einen Teil der Bruteier der Althenne A untergelegt. Der Rest der Bruteier kommt in den Flächenbrüter und nach Schlupf der Küken bekommt sie diese untergeschoben. Da eine der Junghennen jetzt fest auf den Eiern von Althenne A sitzt, habe ich der anderen Junghenne die Eier wegenommen und sie wieder entgluckt.


Bemerkungen zur 5. Woche

Momentan fahre ich das Lichtprogramm langsam wieder zurück, da Althenne A genug Bruteier gelegt hat und Bruthenne B weiterhin keinerlei Anzeichen macht, Eier zu legen. Auch der Hormonhaushalt der anderen Althennen scheint durch das 4 wöchige Lichtprogramm nicht beeinflußt zu sein, es waren auf jeden Fall keine Veränderungen zu beobachten.


Lichtprogramm - Bruteier

Gluckige Henne

Lichtprogramm - Bruteier

Hennen im Nest

Fazit:

Bei meinem 4 Wöchigem Versuch konnte ich keine nennenswerte Veränderung bei den Kämpferhennen, bezüglich Eiablage, beobachten. Das Althenne A nach Beginn des Lichtprogrammes so schnell angefangen hat Eier zu legen, läßt eher darauf schließen das sie eh bald mit der Eiablage begonnen hätte, oder das das Lichtprogramm dies beschleunigt hat. Warscheinlich war das Lichtprogramm insgesamt zu kurz, um den Hormonhaushalte der Althennen nachhaltig zu beeinflussen.
Hingegen scheint das Hybridhuhn von dem künstlich verlängertem Tag zu profitieren. Es ist in der Lage dadurch mehr Nahrungsenergie aufzunehmen und legt ab dieser Zeit jeden Tag ein Ei.

 

 

 

Erklärung zum DVR System zur Bruteikontrolle

Da ich im Garten schon verschiedene Kameras zur Überwachung des Grundstückes installiert hatte, habe ich eine dieser Kameras in den Stall montiert. Die Kamera wurde mittels Motion Detection Software so eingestellt, das wenn eine Henne zur Eiablage das Nest betritt, bzw. verläßt, dies digital aufgezeichnet wird. So hatte ich erstens eine gute Kontrolle welche Henne ihr Ei in welches Nest legt, zweitens konnte ich in der Zeit des Versuches einen guten Einblick in das Verhalten der Tiere bekommen.

 


Lichtprogramm - Bruteier

Hybridhenne im Nest

Lichtprogramm - Bruteier

Henne verläßt das Nest

Lichtprogramm - Bruteier

Henne verläßt das Nest1