12. August 2011
Der Artikel über die Kükenfütterung ist jetzt schon einige Jahre alt, zwischenzeitlich habe ich einiges in der Kükenfütterung geändert und den alten Artikel ergänzt. Die Ergänzungen sind in blauer Farbe kenntlich gemacht, ebenso zusätzliche Anmerkungen.
Kükenfütterung bei Naturbrut
von Andi Haller
Nachfolgend möchte ich einen kleinen Einblick geben wie ich bei der Zufütterung (siehe auch Proteine in der Kampfhuhnzucht) meiner Küken in der Naturbrut verfahre.
Am 2. Tag nach dem Schlupf wird der Glucke die Möglichkeit gegeben, mit ihren Küken ins Freie zu gehen. Natürlich nicht bei Schnee oder starkem Frost, und auf jeden Fall sollte die Glucke die Möglichkeit besitzen, jederzeit ihren trockenen Stall aufzusuchen.
Meiner Erfahrung nach wird sie dies aber nur bei starken Regenschauern machen, ansonsten suchen meine Glucken mit ihren Küken lieber Schutz unter Sträuchern oder unter anderen Unterstellmöglichkeiten.
Im Gluckengehege befinden sich als Tränke nur kleinere Stülptränken und keine anderen höhere Gefäße mit Wasser. So wird vermieden, dass sich die Küken aus Versehen nass machen, denn das kann bei dem kalten Klima im März, April sehr verhängnisvoll für die Küken sein. Ausserdem besteht die Gefahr das bei tiefen Tränken (Töpfe, etc.) sich die Küken darin ertränken.
Bei mir hat die führende Glucke bis zur ca. 6 Woche ca. 150qm Freifläche mit Sträuchern, Hecken und Bäumen zur Verfügung. Später wird sie mit ihren Küken in den gr. Auslauf gelassen, der ca. 1800qm besitzt.
In den ersten 1-2 Tagen werden die Küken durch den Bewegungsdrang der Mutter körperlich sehr gefordert. Und in dieser Zeit kann es schon einmal vorkommen, dass einzelne Küken ein wenig Abseits entkräftet dahindösen. Dies macht aber nichts, denn sehr schnell gewöhnen sich die Küken an diese Anstrengung und gewinnen dadurch enorm an Vitalität. Durch die Temperaturwechsel im Freien und die viele Bewegung werden die Küken schon von Anfang an abgehärtet und wachsen so zu gesunden Jungtieren heran.
In der ersten Lebenswoche bekommen bei mir die Glucke und die Küken das gleiche Futter angeboten, das mehrmals am Tag von Hand gereicht wird. Deswegen von Hand, damit sich die Kleinen schon an die Hand und den Umgang mit Menschen gewöhnen.
Das Grundfuttergemisch besteht in dieser Zeit aus normalem Körnermischfutter mit Anteilen an feinen Haferflocken, Kükenstarter (Pellets) und Kanarieren- oder Wellensitichfutter.
Zwischenzeitlich bekommen die Küken überhaupt kein Kükenstarter mehr gereicht, die letzten Jahre ist dadurch kein einziges Küken an Kokozidiose eingegangen. Hin und wieder gibt es eine Phase wo ein einzelnes Tier an Kokozidiose leidet, aber durch die regelmäßige Gabe von Oreganotee erholt sich das Jungtier nach 1-2Wochen wieder.
Im Freiauslauf lernen die Küken von der Glucke vom ersten Tag an, was sie zu sich nehmen können. Es ist nicht nur süß anzusehen, wenn die Küken mit Käfern und anderem Kleingetier im Schnabel herumrennen und sich gegenseitig verfolgen, sondern so bekommen sie auch alles Wichtige wie Spurenelemente, Aminiosäuren, Mineralstoffe und Vitamine in ausreichender Form zugeführt. Das ist ein großer Vorteil der natürlicher Auslaufhaltung, in der auch viel Gras und anderes Grünzeug aufgenommen wird.
Zur Gewöhnung steht aber schon ab den ersten Tagen ein selbstgemachtes "Kükenfutterhaus" aus Draht im Gehege, welches mehrere kleine Eingänge besitzt, durch die nur die Küken zum Futter gelangen können. Im Inneren des Drahtgeflechts befindet sich ein Futterbehälter, aus dem die Küken jederzeit das oben beschriebene Grundfuttergemisch fressen können. So wird die Glucke nicht fett und die Küken brauchen nicht zu hungern.
Da die Küken einen höheren Eiweisbedarf haben, können sie diesen durch das Futter im Kükenfutterhaus decken. Dazu gibt es hin und wieder Eiweißreicheres Futter für die Küken (Mais, Linsen, kleine Fleischrationen, etc.). Wäre dieses Extrafutter nicht durch das Kükenhaus vor den anderen Hühner in der Hühnerherde geschützt, würde diese sich an diesem Futter bedienen. Da auch ein großer Auslauf irgendwann an tierischen Eiweisträgern (Kleingetier, etc.) erschöpft ist, ist das zufüttern Eiweisreicherem Futter notwendig. So auf jeden Fall meine persönliche Erfahrung.
Ab der zweiten Woche bekommt die Glucke nur noch ihr normales Körnermischfutter und die Küken können sich jederzeit an dem höherwertigem Futter im Kükenfutterhaus bedienen. In dieses Häuschen kommen die Küken auf Grund ihrer wachsender Größe nur bis zum 30. Tag, ab da wird das beschriebene Grundfuttergemisch seltener und ab dem ca. 60. Tag gar nicht mehr gereicht.
Auch hier mußte ich meine Einstellung relativieren, meiner Erfahrung nach braucht die Nachzucht schwerer Linien auch später einen etwas längeren und höheren Eiweißanteil als die Tiere meine leichteren Linie (Hahn Endgewicht max ca. 3kg).
Damit sich die Küken an alles gewöhnen, wird ihnen alles mögliche an Obst- und Gemüsesorten ins Gehege gelegt, drunter kommt alles an Obst und Gemüse was beim Kochen an Restel anfällt. Bedingt auch Essensreste, also zum Beispiel Reis, restliche Salate und alles was wenig gewürzt und Kalorien- bzw. Fettarm ist.
In armen Ländern wird bedingt auch Essensreste zur Fütterung der Kampfhühner verwendet, zu beachten ist das diese Reste bei der Gesamtfütterung bei den Tagesrationen von Körnerfutter berücksichtigt wird. Das gleiche gilt auch bei der Fütterung der Alttiere.
Bei mir bekommen weder erwachsene Tiere noch die Küken Proteine in Form von Hunde- oder Katzenfutter. Meine Tiere sollen naturnah und langsam wachsen. Außerdem bekommen sie genügend Proteine in Form von Kleinlebewesen, die im Auslauf zu finden sind.
Die einzige Extragabe an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen besteht aus der Zugabe (2x die Woche) aus einem Gemisch Mineralienfutter(WLZ), kleingehacktem Knoblauch oder Zwiebeln, etwas kleingekrümmeltes Oregano und (wenns draussen kalt ist) etwas Mazola Keimöl. Damit alles etwas breiig ist und lieber aufgenommen wird, wird unter dieses Gemisch etwas Weißbrot untergemischt. Hin und wieder bekommen sie Vitaminen ins Trinkwasser, besonders dann, wenn es tagelang kalt und regnerisch ist.
Nur bei sehr ungünstigen Witterungsverhältnissen (Lange Dunkelperioden mit kaltem und nassem Wetter) bekommen die Tiere (incl. Nachzucht) überhaupt noch Vitamine und Extragaben Mineralfutter. Die Tiere müssen ihren Bedarf natürlich decken können, können sie das nicht (z.b. durch Überpopulation in meinem Bestand, bzw. im Verhälniss zum angebotenen Freiauslauf) so muß ich mich in der Anzahl der Tieren einschränken damit das gesunde Gleichgewicht [Anzahl Tiere zur Größe des Auslauf] den Tieren wieder die Möglichkeit gibt ihren Bedarf an natürlich Vitaminen, etc. wieder selbst zu decken.
Mit ein paar Wochen fangen sie auch an, sich am Futterautomat, in dem ständig Gerste bereit liegt, zu bedienen. Den gibt es schon lange nicht mehr, dies ist völlig überflüssig!
Bei mir besteht der Guckenstall aus einfachen Brettern (zugsicher), als Einstreu 20cm Sägemehl und selbst ohne Wärmelampe nachts bei minus 10 Grad war die Glucke in der Lage, die Küken ausreichend mit Wärme zu versorgen. Das überzeugt mich immer wieder von der Robustheit der Orientalisch Kämpfer. Natürlich muss den Tieren das Optimale an Nahrung und an äusseren Gegebenheiten gegeben werden, damit sie solch bemerkenswerte Leistungen vollbringen können.
Weiterführende Links zum Thema Zucht & Naturbrut:



