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Erfahrungen in der künstlichen Aufzucht

von Andi Haller

Als Befürworter der Naturbrut habe ich die Glucken bisher selbst ihren Nachwuchs führen lassen; nun bin ich in der Situation, dass ich 4 Küken ohne Glucke aufziehen muss. Eine meiner bewährtesten Glucken ist 2 Tage vor dem Schlupf der Küken verstorben, daran schuld war meine Unerfahrenheit und der Glaube, dass Kieselgur alleine zur Schädlingsabwehr ausreicht. Zukünftig werden bei mir auch andere Mittel zur Milbenabwehr benutzt, besonders in Sommern, die sehr warm sind, vermehren sich die Milben explosionsartig. Auch andere Parasiten wie Hühnerflöhe und Federlinge  finden bei einer brütenden Glucke die besten Vermehrungsbedingungen.

Von den 6 Eiern, die die Glucke zum Brüten hatte, konnten 4 gesunde Küken mit Hilfe von einer Wärmeplatte, einer Salatschüssel, feuchten Tüchern und einem Digitalthermometer zum Schlupf gebracht werden. Von den anderen 2 ist eines mit Fußmissbildungen einen Tag zu früh geschlüpft (habe ich eingeschläfert), das andere ist daran gestorben, dass ich dachte, dem Küken beim Schlupf helfen zu müssen.

 

Aber von Anfang an.

Die Eier waren schon sehr kalt, als ich die Glucke tot neben ihrem Gelege fand und da ich keinen Brüter besitze, musste ich mir mit anderen Mittel behelfen. Auf eine Wärmeplatte legte ich feuchtwarme Handtücher, auf welche ich die Bruteier legte. Eine umgedrehte Salatschüssel hielt die Bruteier auf einer Temperatur von ca. 34-37°C. Trotz dieser ungünstigen Umstände und einer zu niedrigen Bruttemperatur schlüpften die Küken zum errechneten Termin innerhalb von 2-3 Stunden.

Schon einen Tag vor Schlupf war ein leises Piepsen aus den Eiern zu hören, auch wurden ab diesem Zeitpunkt schon die ersten Anpickstellen an den Eiern sichtbar.


Erfahrungen / künstl. Aufzucht

Das Küken schlüpft

Im Nachhinein kann ich nur empfehlen den Küken die nötige Zeit und Ruhe zu lassen, denn selbst bei derartigen Umständen sind die Küken fähig, mit eigener Kraft die Eierschale zu durchbrechen und gesund zu schlüpfen.

Als die Küken geschlüpft waren, machten wir uns Sorgen, da sie nach dem Abtrocknen nicht laufen konnten. Bei unseren Küken hat es ca. 24 Stunden nach dem Schlupf gebraucht bis sie einigermaßen laufen konnten und wir uns sicher sein konnten, dass keine Missbildungen an den Füßen vorhanden sind.


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2. Tag

Ein guter Ratgeber in Sachen Kunstbrut (Bruttemperatur, Feuchtigkeit, etc.) war uns das Buch “Brut und Aufzucht unserer Hühner“ von Armin Six. Die nächste Anschaffung wird wohl ein geeigneter Flächenbrüter sein, damit für eventuelle Notlagen vorgesorgt ist.

 

Die ersten zwei Tage brachten die Küken in unserer Küche zu. Für die notwendige Wärme der Küken sorgte ein Elsteinstrahler, der so aufgehängt wurde, dass bei den Küken in Kopfhöhe ca. 32°C Wärme herrschte.

Wir haben uns ganz bewusst für einen Elsteinstrahler als Wärmequelle entschieden und nicht für ein so genanntes Wärmerotlicht. Durch dessen permanente Lichtbestrahlung würden die Küken unnatürlich schnell wachsen und könnten nachts nicht zur Ruhe kommen. Durch den Elsteinstrahler (Ein Elsteinstrahler erzeugt Wärme ohne Licht zu erzeugen) bekommen sie so ihre natürliche nächtliche Ruhephase und sind dadurch in ihrem Verhalten ausgeglichener.

Bald wurde klar, dass für die umtriebigen Küken die Kiste zu klein war und für mehr Platz gesorgt werden musste. Da zu dieser Jahreszeit nachts eine Temperatur von ca. 15-25 Grad herrschte, wurden die Küken nach draußen in den Brutentwöhnungsstall umquartiert. Auch in dem neuen Kükenquartier achtete ich darauf, dass bei den Küken die notwendige Wärme herrschte. Der Kükenplatz unter dem Elsteinstrahler (geschützt durch einen Metallkorb) wurde mit einem Tuch ausgelegt, alle zwei Tage wurde das Tuch ausgewechselt und bei dieser Gelegenheit auf Milben untersucht. Das neue Tuch wurde mit der Unterseite kräftig mit Kieselgur eingestäubt, so hielt ich den Schlafplatz sauber und hatte gleichzeitig eine gute Kontrolle, ob wieder Parasiten auftauchen. Als Einstreu benutzte ich trockene Sägespäne und der Stall wurde vorher vorsorglich ausgiebig gegen Parasiten ausgestäubt. In einer Ecke des Stalles wurden die Tränke und der Futterplatz eingerichtet. Das ganze wird aber nicht direkt auf das Einstreu gestellt sondern auf ein Brett, dessen Unterseite wie das Tuch, regelmäßig auf Milben untersucht werden kann.


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2.Tag

An einer anderen Stelle des Kükenstalles befand sich die Ecke mit Erde und Sand, außerdem noch ein großer Stein, den die Küken zum Schnabel wetzen benutzen. Einen dicken Ast haben sie auch noch bekommen, auf diesen baumen sie auch schon auf, wenn es im Stall warm genug ist und sie nicht schlafen. Wegen den schlechten Erfahrungen mit Ungeziefer wird der Kükenstall jeden 3. Tag gereinigt, das verschmutzte und evtl. feuchte (durch die Tränke) Einstreu gegen neues ausgetauscht.

Anfänglich bin ich noch jede Nacht 2-3 mal aufgestanden um die Temperatur unter dem Wärmestrahler zu prüfen und zu schauen, ob die Küken auch unter dem Strahler liegen, jetzt erspare ich mir das nach einer Woche. Denn die Küken fanden schnell heraus, wo es am wärmsten ist und kommen durchaus auch mit schwankenden Temperaturen zurecht, wenn sie nur einen Platz finden, der ständig Wärme spendet.

Heutzutage werden in der künstlichen Aufzucht folgende Temperaturen für die Aufzucht von Küken empfohlen (Quelle: „Brut und Aufzucht unserer Hühner“, Armin Six, Oertel & Spörer Verlag Reutlingen):

1. Woche                     32°C
2. Woche                     28-30°C
3.Woche                      24-28°C
4.Woche                      20-24°C

 Früher ging man noch von folgenden Temperaturen in der Kükenaufzucht aus (Quelle: (Geflügelwirtschaft auf dem Bauernhof“, Bonifaz Haneberg, 1956 Bayrischer Landwirtschaftsverlag München, 2.Auflage):

1. Woche                     28-30°C
2. + 3:Woche               25°C
ab 4.Woche                 langsam weniger, aber nicht unter 20°C

 Meiner Ansicht nach braucht man sich nicht akribisch nach den angebenden Zahlen zu richten, wichtig ist das Verhalten der Küken. Liegen sie entspannt im Wärmebereich des Wärmestrahlers, so deutet dies auf das Wohlbefinden der Küken hin. Ist es ihnen zu kalt, drängen sie sich zusammen und piepsen laut nach ihrer nicht vorhandenen Mutter. Wichtig scheint mir, dass der Platz um die Lampe groß genug ist, so dass bei zu viel Wärme die Küken in weniger warme Bereiche ausweichen können. Anderseits sollte anfänglich der Stall nicht zu groß sein, so dass nicht die Gefahr besteht, dass die Küken bei Einbruch der Dunkelheit nicht mehr den Platz unter dem Wärmestrahler finden.

Die ersten zwei Tage wollten die Küken noch nicht richtig fressen und trinken. Wir haben ein wenig Futter auf ein Brettchen gestreut und mit dem Finger die Pickgeräusche nachgemacht und sie haben schnell begriffen was essbar ist. Genau so sind wir mit dem Trinken verfahren. Da die Küken am Anfang noch etwas tollpatschig sind, haben wir die Wasserschale gegen eine Tränke ausgetauscht. So wurden sie nicht immer nass, wenn sie ihre Verfolgungsspiele durch die Aufzuchtbox veranstalteten.

Schon von Anfang an bekommen sie täglich eine Schaufel Erde & Steinchen mit in ihre Box., damit bekommen sie ihre tägliche Portion Steinchen die sie benötigen. Die in der Erde vorhandenen Kleinstlebewesen vervollständigen ihren Speiseplan und halten die Küken auf Trapp. Immer wieder erstaunlich, mit welcher Intensität die Küken in der neuen Erde herumscharren und nach Nahrung suchen, wir könnten da stundelang zuschauen.


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3.Tag

Nachdem jetzt die erste Woche vorbei ist und sich die Küken prächtig entwickeln, haben sie heute ihren festen Freiauslauf bekommen. Der ist in diesem Fall zwar sehr provisorisch zusammengezimmert, aber so kommen sie ins Freie und die Vitalität der Küken spricht für sich. Glücklicherweise war der diesjährige Juli mit seinen Tagestemperaturen von bis zu 35°C wie geschaffen, dass die Küken sich im Freien ohne zusätzliche Wärmequelle aufhalten konnten.

Gefüttert wurden die Küken in der ersten Woche mit einem Gemisch von Kükenstarter, einem kleinen Teil gemischter Ölsaaten, Haferflocken und klein geschnittenem Grünzeug. Hin und wieder bekommen sie anfänglich auch eine kleine Portion Mehlwürmer ins Einstreu verteilt und versteckt. Da wird ihnen nicht langweilig und sind immer fleißig im Einstreu am Scharren.

 


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Kükenaufzuchtsbox

Im Laufe der zweiten Woche sind sie schon fähig, sich selbst Stückchen aus Salatblättern zu picken, so dass ich Grünzeug nicht mehr klein schneiden brauche. In ihren Auslauf wird auch alles Mögliche an Grünzeug geschmissen, sie picken das Innere von Zucchini und Gurken aus und verschmähen auch Brombeeren und heruntergefallene Äpfel nicht. Besonders lecker finden sie wohl Ameisenlarven die sie finden, wenn ich ein Ameisennest aushebe und es ihnen mit einer Schaufel ins Gehege werfe.

Wie die Großen nutzen auch sie schon sonnige Plätze für Sonnenbäder, das scheint ihr Wohlbefinden gewaltig zu steigern. Wenn es die Zeit zulässt, dürfen sie mit uns in einen Teil des Gartens, wo die anderen Hühner nicht hinkommen und können da auf Endeckungsreise gehen.


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Im Freiauslauf

Anfang der dritten Woche stellte ich fest, dass die Küken enorm gewachsen sind. Mit ihren 2 Wochen hatten sie fast schon die Entwicklung der Februarnachzucht mit 4 Wochen. Die Sonne und die lange Tageszeit scheint die Frohwüchsigkeit der Tiere sehr zu fördern.

Obwohl das kleine Auslaufgehege fast ganz überdacht ist,  stehen die Küken bei Regen im nicht überdachten Teil des Auslaufes und suchen nicht den Stall auf. Ich musste sie in den Stall locken, damit sie nicht völlig durchnässt werden. Interessant wäre zu wissen, ob sie das Verhalten, bei Regen ins Trockene zu flüchten von der Mutter erlernen, oder ob diese Verhaltensweise erst später von der restlichen Gruppe erlernt wird.
Sinken die Temperaturen unter 20-25°C, achte ich darauf, dass die Küken nicht zu lange im Freien sind. Immer dann, wenn sie im Auslauf  zusammenstehen und laut piepsen, wird es für mich Zeit, sie wieder in den wärmeren Kükenstall zu locken. Hier machen sich die Nachteile der Außenaufzucht von Küken bemerkbar, schwankende Außentemperaturen erfordern mehr Aufmerksamkeit als die Aufzucht in klimatisierten Innenräumen oder in Aufzuchtboxen.

Mitte der dritten Woche scheinen die Küken selbständiger zu werden. Bis zu diesem Zeitpunkt haben sie sich ohne Zögern aufnehmen und an einen anderen Ort tragen lassen, allmählich entwickeln sie ihren eigenen Kopf und das Einfangen gestaltet sich zunehmend schwieriger, da kann ich locken wie ich will, die Küken gehen ihre eigenen Wege.

 

Die vierte Woche ist angebrochen und allmählich machen sich bei den Küken die individuellen Merkmale stärker bemerkbar. Eines der Küken sticht durch einen breiteren Rücken hervor, ein anderes der Küken scheint einen Wulstkamm zu bekommen und auch im Verhalten unterscheiden sich die Küken individuell.

Zwischenzeitlich regnet es fast nur noch, aber die Küken haben es scheinbar gelernt, bei Regen das Trockene aufzusuchen. Nur die Kälte macht ihnen sichtlich zu schaffen. Wenn sie ins Freie gelassen werden und der erste Bewegungsdrang vorbei ist, sitzen sie nach ca. 20 Minuten (bei ca. 14°C) fröstelnd und laut piepsend auf ihrer Sitzstange im Außengehege. Sie werden dann wieder in den Stall gelockt, in dem sich die Wärmelampe befindet.

Ende der vierten Woche lasse ich sie länger draußen im Außengehege, selbst Dauertemperaturen um die 15°C scheinen ihnen jetzt wenig auszumachen. Doch um Erkältungskrankheiten bei diesem feucht-kalten Wetter vorzubeugen, werden sie weiterhin hin und wieder in den Stall gesperrt.

 Abschließend ergeben sich für mich bei der künstlichen Aufzucht folgende Punkte, auf die zu achten sind:


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