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Die Naturbrut

von Andi Haller

(Fotos von Küken bei der natürlichen Aufzucht gibt es in der Photogallerie Aufzucht 2005)

Unter Naturbrut verstehe ich, dass die Henne die Bruteier ausbrütet und danach auch ihre Küken aufziehen kann. Dabei ist es nicht wichtig, ob es die eigenen Eier der Glucke sind oder ob es sich um Eier anderer Zuchttiere handelt. Die natürliche Brut ist nicht vergleichbar mit der Aufzucht von Küken, die mit einem künstlichen Brüter zum Schlupf gebracht worden sind. Diese Küken werden zwar dadurch oft „handzahmer“, aber das ist nicht ersetzbar mit dem Anblick einer Glucke, die sich mit großer Sorgfalt und viel Hingabe um ihren Nachwuchs kümmert. Wie bei vielen anderen Tierarten gilt auch bei ihr, erst kommt die Versorgung des Nachwuchses und erst dann folgt die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse. Die Glucke kann noch so hungrig sein, jede verfügbare Nahrung wird erst den Küken angeboten, bevor sie selbst etwas zu sich nimmt. Genau so verhält sie sich bei der Bewachung und dem Schutz ihres Nachwuchses. Keine Bedrohung kann groß genug sein, für die sie ihre Küken im Stich lassen würde.

Auch wenn diese Aspekte der Arterhaltung dienen, diese Eigenschaft macht für mich die Haltung von Kämpfern aus.


Die Naturbrut

Glucke mit Küken

Die Naturbrut und natürliche Aufzucht hat viele Vorteile, aber auch einige Nachteile.

Vorteile:

Nachteile:

 

Ein großer Vorteil der Rasse HINT HOROZU ist ihr großer Bruttrieb, dies unterscheidet sie von anderen Hühnerrassen, besonders der so genannten Wirtschaftsrassen. Da ich besonders früh im Jahr (Februar-März) mit der Naturbrut anfange, achte ich schon vorher auf eine gute Ernährung der Tiere. Viele Vitamine, ausreichend Mineralien und nicht zuviel Eiweiß (siehe Artikel „Rund ums Brutei“) Auch eine Entwurmung vor dem Legen der Bruteier bzw. vor Brutbeginn ist empfehlenswert. Nervöse und unruhige Hennen lasse ich nicht brüten, auch dann nicht, wenn sie ansonsten sehr typvoll sind und viel Temperament besitzen. Charakterstarke und ausgeglichene Hennen führen und beschützen später ihren Nachwuchs souverän und ohne Unsicherheit. Das ist wichtig, damit die Glucke später nicht bei jeder Kleinigkeit ihre Küken warnt und so unnötig Unruhe in die kleine Familie bringt.


Die Naturbrut

Frisch geschlüpft

Das Legenest

Ich achte darauf, dass das Nest zum Schutz der Bruteier besonders gut mit Sägespänen und Stroh ausgelegt ist. Als Legenester benutze ich kleine Plastikkisten (für Obst und Gemüse), diese haben für mich die verschiedensten Vorzüge. Zum einen lassen sie sich mit dem Dampfstrahler wunderbar reinigen. Außerdem kann die Henne ohne große Umstände mitsamt der Kiste versetzt werden wenn sie brütig ist. Da sich jede einzelne Seite der Kiste einklappen lässt, klappe ich bei einer brütenden Henne immer eine Seite der Kiste nach innen, so können die Küken nach dem Schlupf ohne große Probleme das Nest verlassen.

 

Parasiten

Um zu verhindern, dass die Glucke während der Brut von Ungeziefer (Milben, Federlingen etc.) heimgesucht wird, bestäube ich ihr Nest reichlich mit Kieselgur. Auch der Gluckenstall wird vorsorglich großzügig mit Kieselgur „behandelt“, so werden die Küken schon von Anfang an vor lästigen Parasiten geschützt. (siehe „Info Kieselgur“ am Artikelende)


Die Naturbrut

Wachsame Hintmami

Eier unterlegen

Anhand ihrer Legetätigkeit (sie Artikel „Abgewöhnung des Bruttriebes“) lässt sich der Brutbeginn einer Henne fast schon auf die Woche genau ausrechnen. Also sammle ich rechtzeitig die Eier der verschiedenen Zuchtstämme, aus denen ich eine Nachzucht wünsche.

Die Anzeichen dafür, dass eine Henne gluckig wird, sind bei meinen Tieren einfach zu erkennen:

Wenn ich möchte, dass eine dieser „gluckigen“ Hennen brüten soll, lege ich ihr als Ersatz für ihre Bruteier billige Eier aus dem Discounter unter, die gekennzeichnet sind. Die entnommenen Bruteier werden gleich nach Entnahme beschriftet und kühl gelagert zu den anderen gelegt. Sitzt dann die Henne den ganzen Tag auf dem Nest, ist das ein Anzeichen dafür, dass sie angefangen hat zu brüten. Nach zwei Tagen wird die brütende Henne wenn es dunkel ist, in den für sie hergerichteten Gluckenstall umgesetzt.  In den nächsten zwei folgenden Tagen lasse ich die Henne noch auf den Billigeiern sitzen. Unerfahrene, oder unsichere Hennen verlassen nach dem Umsetzen in den anderen Stall ihr Gelege, damit wären die Bruteier nicht mehr zu gebrauchen. Erst wenn sie auch im Gluckenstall fest auf ihren Eiern sitzt, tausche ich abends, wenn es dunkel ist, die „Ersatzeier“ gegen die Bruteier aus. Denn sollte aus einem unvorhersehbaren Grund die Henne nicht mehr auf den Eiern sitzen bleiben, verschiebt sich der nächste Brutbeginn so lange, bis die nächste Henne gluckig wird. Erfahrene Hennen sitzen so fest, dass ihnen das Umsetzen in den Gluckenstall nichts ausmacht. Ich lege meinen Hennen nie mehr als 12 Bruteier unter, so können sie alle Eier noch ausreichend warm halten. Das kommt aber auch auf die Größe der Henne an, je größer das Tier ist, umso mehr Eier vermag sie ausreichend zu wärmen.


Die Naturbrut

Glucken ist ansteckend

Als ich mit der Hühnerhaltung begann, war ich der Meinung, dass es besser und natürlicher sei, die Henne bei den anderen Hühnern im Stall brüten zu lassen. Von dieser Vorgehensweise bin ich nach dem ersten Jahr Hühnerhaltung wieder abgerückt. Denn andere Hennen, die nicht brütig sind, nutzen die Zeit, in der die brütende Henne das Nest verlässt um abzukoten und Nahrung aufzunehmen, um ihre Eier in das Gelege der brütenden Henne zu legen. Das brachte viel Unruhe in den Ablauf der brütenden Henne und des ganzen Zuchtstammes.
Auch konnte ich bei meinen restlichen Hennen beobachten, dass die Anwesenheit einer brütenden Henne bei den restlichen Hennen den Reiz zu brüten sehr verstärkt. Selbst meine Legehybriden und Hennen, die zu diesem Zeitpunkt keine Eier legten, wollten unbedingt auch zu diesem Zeitpunkt anfangen zu brüten. So hatte ich einen Stall voll mit Hennen, die alle gleichzeitig in Ihren Nestern (ohne Eier) saßen und brütenden, teilweise sogar zu zweit in einem Nest. Erst später habe ich erfahren, dass in der freien Natur Hennen von Wildhühnern ihre Eier abseits von der Herde ablegen und sich dann zur Brut dorthin zurückziehen. Nachdem die Küken geschlüpft sind, begeben sie sich mit ihren Küken wieder zur Herde.

Bei mir verschwand früher einmal eine Asilhenne und tauchte dann erst 21 Tage später wieder mit einer Handvoll Küken auf. Wir waren sehr erleichtert, da wir angenommen hatten, dass sich ein Fuchs oder Marder die Henne geholt hatte. Später entdeckten wir dann ihr gut verstecktes und verlassenes Nest im Heuschober.

 

Der Gluckenstall

Seit diesen Erfahrungen kommen bei mir die brütenden Hennen in einen extra Stall. Dieser muss nicht groß und aufwendig gebaut sein, sollte aber raubtiersicher und zugluftfrei sein. Bei mir hat dieser kleine Stall ca. 2 qm Grundfläche und ein großes Fenster (ohne Glas mit Gitter), bei dem die Henne mit ihren Küken die Sonne genießen kann, auch wenn draußen noch eine geschlossene Schneedecke vorhanden ist. Als Einstreu benutze ich trockene Sägespäne, in diesen kann die Glucke „Staubbäder“ genießen, das fördert ihr Wohlbefinden. Ein Teil vom Einstreu besteht aus dem Einstreu des (gesunden) Zuchtstammes, so kann sich die Darmflora der Küken an die Bakterien der Eltern gewöhnen. In der einen Ecke des Stalles befindet sich eine Futterschale mit grobem Sand, diesen benötigen die Hühner zur Zerkleinerung der Nahrung im Verdauungsapparat. Mit trockenem Stallklima und großer Kälte kommt die Glucke mit ihren Küken bestens zurecht, nur bei einem feuchten Stall mit Zugluft kann es zu Verlusten beim frisch geschlüpften Nachwuchs kommen.

Ein separater Stall für die Glucke hat auch den Vorteil, dass sie ungestört Nahrung und Wasser zu sich nehmen kann. Bei meinen Tieren konnte ich beobachten, dass die Glucke im separaten Stall weniger an Gewicht abnimmt und außerdem schneller wieder ihr Gelege aufsucht als wenn ich sie im gemeinsamen Stall brüten lasse. Besonders bei großer Kälte ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil.


Die Naturbrut

Glucke bei Naturbrut

Ernährung der Glucke

Wenn ich eine Henne zum ersten Mal brüten lasse, achte ich besonders die ersten Tage darauf, dass die Henne genug Nahrung und Wasser zu sich nimmt. Die neue Umgebung kann die Henne dazu veranlassen, ihr Nest nicht mehr zu verlassen und so zu wenig Nahrung zu sich zu nehmen. Besonders in der kalten Jahreszeit ist es aber sehr wichtig, dass sie genügend Energie in Form von Nahrung zu sich nimmt. Der Energiehaushalt der brütenden Henne wird durch das Warmhalten ihres Geleges besonders gefordert. Ein gutes Anzeichen dafür, ob die Henne das Nest verlassen hat, ist ihr Kothaufen. Diesen Kot entferne ich täglich aus dem Stall. Befindet sich nach 2 Tagen noch kein Kothaufen im Stall, ist die Glucke behutsam vom Nest zu nehmen und ihr Wasser und Nahrung zu reichen. Hat sich die Henne erst einmal an die neue Situation gewöhnt, wird sie selbständig Nahrung und Wasser zu sich nehmen. Auch ist es wichtig, dass die Henne einmal pro Tag vom Gelege aufsteht und sich bewegt. Das fördert die Verdauung und löst die Brutstarre des Tieres. Bei meinen Hinthennen konnte ich folgende Reihenfolge beim Verlassen des Geleges beobachten: Abkoten, fressen, trinken, schnelles Flügel schlagen, Staubbad nehmen, kleineres Abkoten, fressen, trinken und dann das Wiederaufsuchen des Geleges. Je nach Außentemperatur variiert die Dauer, für die sie das Gelege verlässt. Je kälter die Außentemperatur, umso kürzer ist die Zeit, in der sie das Gelege alleine lässt. Bei Temperaturen über 10°C kann diese schon mal mehr als eine halbe Stunde betragen, bei Minusgraden oft nur wenige Minuten.

Bei normalen Außentemperaturen bekommt die brütende Henne handelsübliches Körnermischfutter, ihre Energiereserven reichen aus, um die Brutzeit ohne Probleme und Mangelerscheinungen zu überstehen. Bei extremen Minusgraden finde ich es notwendig, der Henne Futter anzubieten, das sehr energiestoffreich ist. In dieser Zeit wird ihr neben dem Körnerfutter auch ein Gemisch aus Ölsaaten (Hirse, Hanf, etc.) gereicht, das auch bevorzugt von ihr aufgenommen wird. Frischgemüse wird während der Brutzeit von mir nicht gereicht, da es dazu führen kann, dass die Henne Durchfall bekommt und ihren Kot nicht mehr bis zum nächsten Verlassen des Nestes halten kann. So kann das Nest verschmutzt werden, was nicht wünschenswert ist. Das Trinkwasser, das immer frisch sein sollte, wird mit ein wenig Vitamine versetzt, schaden kann das nicht.

 

Freiauslauf

Als ich anfing die Glucken zu separieren, machte ich den Fehler, den Glucken von Anfang an in ihrer Abkot- und Fresspause auch Freilauf anzubieten. Dabei hatte ich aber nicht bedacht, dass die Glucke die ersten Tage bestrebt sein würde, ihren alten Stall aufzusuchen und nicht ihr neues Gluckenheim. Es war eine ziemliche Aufregung, die Henne einzufangen und wieder in ihren Gluckenstall zu bringen.

Auf jeden Fall bleiben seit diesem Zeitpunkt meine Glucken bis nach dem Schlupf der Küken im Gluckenstall. Dann ist auch später der Freiheitsdrang der Glucke nicht mehr so stark, dass sie ständig vor dem Fenster hin und her läuft und nach draußen möchte. Diese Ausgeglichenheit kommt den Küken sehr zugute. Trotzdem bin ich froh, wenn die Glucke mit ihrem enormen Bewegungsdrang zusammen mit den Küken endlich den Stall verlassen kann.


Die Naturbrut

Aus Eier werden Küken :O)

Schieren der Bruteier

Viele Züchter schieren (Durchleuchten der Eier) ab dem 7.Tag die Bruteier und sondern nicht befruchtete Eier aus. Das hat auch seinen Sinn. Ich selber mache das aber nicht. Denn bis jetzt waren alle Eier befruchtet und da ich keine Eier verwendet habe, die einen Versand überstehen mussten oder älter als 10 Tage waren, lag die Schlupfquote bis heute bei nahezu 100%. Ein Apparat zum Schieren der Bruteier lässt sich schnell und billig selber bauen. Ein Schuhkarton, eine Glühlampe rein, drüber ein Loch ausgeschnitten und fertig ist der Schierapparat.

Fressen der Bruteier

Bei der Naturbrut sortieren in der Regel meine Glucken unbefruchtete Eier von selbst aus. Hin und wieder fressen die Glucken zum Ende der Brutzeit bestimmte Eier. Sie scheinen aber nur Eier zu essen, wenn mit ihnen etwas nicht stimmt oder sie nicht befruchtet sind. Küken werden nur gegessen, wenn sie krank oder tot sind. Also nicht wundern, wenn z.B. nach dem Schlupf von 10 Bruteiern 8 gesunde Küken zu sehen sind und keine Reste der fehlenden zwei Eier mehr zu finden ist. Dies scheint die Natur so eingerichtet zu haben, damit kein Raubzeug vom Geruch toter Küken angelockt wird, außerdem ist das ein wertvoller Energiehappen, den die Glucke nach der langer Brutzeit gut gebrauchen kann. Frisst die Glucke aber gesunde Küken, würde ich diese Henne von der Zucht ausschließen, damit sich diese Unart nicht weitervererbt. Die Schalen der ausgebrüteten Eier werden auch gerne von der Henne gegessen, das ist aber von Henne zu Henne verschieden.

Ab dem 20.-21. Tag sehe ich nach, ob schon die ersten Küken zu sehen sind. Wenn es dann so weit ist, sind wir immer wieder aufs Neue völlig fasziniert von den neuen Küken. Bis jetzt hat es nie Probleme beim Schlupf von Küken gegeben, sollte dies aber einmal passieren, werde ich (schweren Herzens) nicht eingreifen. An der Rasse der HINT HOROZU schätze ich besonders ihr natürliches Verhalten und ihre robuste Natur, dies möchte ich bei meinen Tieren auch so behalten.

Sind die Küken dann geschlüpft, werden sie bestens von der Glucke versorgt, eine Beheizung des Gluckenstall ist bei den HINT HOROZ nicht nötig. Selbst bei unter -10°C ist die Glucke in der Lage die Küken ausreichend zu wärmen.


Die Naturbrut

Robuste Hintküken

Info Kieselgur:

Kieselgur (Diatomenerde) ist ein für Mensch und Tier unschädliches Algengranulat (Dies muss eine Körnung von 4-20µm haben), das sich zwischen die Glieder der Schädlinge schiebt und die oberste Schicht des Insektenpanzers zerstört. Die Körperflüssigkeit tritt aus und der Schädling vertrocknet.

Kieselgur ist ökologisch unbedenklich, frei von Biozid und Insektizid. Es kann durch den bio-physikalischen Vorgang zu keinen Resistenzen kommen.

Kieselgur kann gegen alle kriechenden Insekten und Spinnentiere eingesetzt werden, wie z.B. Tierläuse, Flöhe, Ameisen, Speckkäfer, Silberfischchen, rote Vogelmilbe, Haarlinge, Federlinge, Getreidekäfer usw.

 

 

Weiterführende Links zum Thema Zucht & Naturbrut: