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Das Araberpferd unter den Hühnern

Artikel in der Stuttgarter Zeitung vom 19. April 2008

 

Artikel über Türkische Kampfhühner

Das Araberpferd unter den Hühnern

Ein Schorndorfer hält sich in seinem Gärtchen Kampfhähne

SCHORNDORF. Beim Stichwort "Kampfhahn" läuten bei Tierschützern die Alarmglocken. Doch A. Haller weiß zu beschwichtigen: Niemals würde es ihm einfallen, sein geliebtes Federvieh aufeinander loszulassen.

Von Kathrin Wesely

Kampfhühner tragen ihren Streit um den Rang in der Herde vehementer aus als andere Hühner. Dieses Wesensmerkmal prädestiniert sie für die Hahnenkämpfe, bei denen sie in eine Arena gesetzt werden, die so klein ist, dass sich die Hähne in ihrem Revier bedroht fühlen und aufeinander losgehen. Der Kampf ist beendet, wenn ein Tier außer Gefecht gesetzt oder tot ist. Vor etwa 3000 Jahren wurde der ursprünglich zu religiösen Ritualen abgehaltene Hahnenkampf aus Asien nach Europa gebracht. Inzwischen ist er in den meisten europäischen Ländern und in weiten Teilen Nordamerikas verboten.

Auch A. Haller hat sich die mangelnde Konfliktscheu der Tiere zunutze gemacht - allerdings nicht in der Kampfarena. Als er vor einigen Jahren in Schorndorf einen Garten pachtete, schaffte er sich Hühner an. Immer wieder wurden sie von Krähen angegriffen. Ein Gockel musste her, der die Schar vor Angriffen beschützen konnte. So kam der erste Hint Horoz, Vertreter einer orientalische Kampfhuhnrasse, in Hallers Garten. "Das Tier hat mich sofort überzeugt: Normal war er eher ruhig, aber sobald Krähen oder Greifvögel kamen, ging er auf sie los. Die Hint Horoz sind ausdauernde und intelligente Kämpfer, die ihre Kräfte einteilen und taktisch handeln können." Später wurde der Held der Hühner bedauerlicherweise von einem Marder getötet.

Aber da hatte Haller bereits mit seiner Nachzucht begonnen und weitere Hint Horoz hinzugekauft. Er verfügt jetzt über eine Herde von etwa 20 Tieren, die meisten sind Hint Horoz, manche Kreuzungen und einige wenige gehören anderen Rassen an, wie das gesprenkelte Afghanenhuhn - ein Direktimport aus Kabul. Haller sitzt gern mit Gästen im Garten und schaut den Hühnern zu, die auf dem Rasen herumpicken. "Jedes von ihnen hat seinen eigenen Charakter, die haben einfach Temperament! Ein Hint Horoz verhält sich zum normalen Huhn wie etwa ein Araberpferd zu einem Reitgaul." Haller schätzt ihre Urtümlichkeit. Oft hat er türkischen Besuch, der liebt die Hint Horoz, sagt Haller, denn in der Türkei sei dies die gängige Rasse. Ein bisschen Heimweh und etwas Nostalgie befördere das Federvieh dann bei den Gästen herauf.

Aber in Hallers Garten herrscht nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Er erinnert sich noch gut an seine erste Aufzucht. "Ich bin dann eines Tages zum Einkaufen, habe vorher noch kurz nach den Küken geschaut, war alles in Ordnung. Als ich kurz darauf wiederkam, kämpften sie blutüberströmt miteinander und ließen sich nicht trennen. Ich war hilflos und restlos überfordert." Heute weiß er, dass sich die Küken schon in zartestem Alter kloppen, um die Rangordnung festzulegen. Ist das geklärt, sei vorerst Ruhe. Nach der Geschlechtsreife werden die Karten neu verteilt, und der Kampf um die Stellung beginnt von vorn. Man müsse die Junghähne dann von der Herde isolieren und ihnen einen erfahrenen Althahn zum Zwecke der Deeskalation vor den Schnabel setzen. Übrigens raufen sich nicht bloß die Hähne, sondern auch die Hennen.

Durch seine Internetseite kommen immer wieder Interessenten bei ihm vorbei, sogar aus der Schweiz ist schon einer angereist. Auch eine Tierschützerin aus Stuttgart war mal da, um nach den Tierrechten zu sehen, und irgendwer schickte Haller mal die Polizei vorbei. Aber die Beamten zogen rasch von dannen, als sie keine Hinweise auf tierquälerische Hahnenkämpfe fanden.

Auch ungebetene Gäste waren schon da. Man glaubt es kaum: Es gibt ihn noch, den Hühnerdieb. Seither picken die Hühner videoüberwacht im Gras. "Einmal kamen auch zwei Kleiderschränke, die wollten Kampfhähne kaufen", berichtet der 49-Jährige. Ihm sei sofort klar gewesen, was die beiden mit seinen Tieren vorhatten, und er hat sie weggeschickt. Für Haller sind die Hühner Haustiere wie Hund oder Katze auch. Wirtschaftlich rentiert sich die Haltung nicht. Selbst die Eierausbeute ist bei den freilaufenden Hühnern, die sehr kleine Eier legen, eher überschaubar. Schlachten kann er sie auch nicht. "Ich würd ja schon mal eins essen. Aber meine Freundin ist Vegetarierin." Dabei ist an so einem Hint Horoz ordentlich was dran. 60 bis 70 Zentimeter wird er groß und wiegt im Durchschnitt knapp vier Kilo.