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Hahnenkampf in Istanbul

Artikel aus der Geflügel-Börse 5/91

von Werner Lamkemeyer

Im März 1990 trat ich eine schon acht Jahre geplante Flugreise nach Istanbul zu meinem guten türkischen Freund an. Dieser türkische Kampfhuhnspezialist züchtete schon in Deutschland als Gastarbeiter die sogenannten „Hint" (von Hindustan = Indien), d.h., türkische Kampfhühner. Die Türken züchten ihre Kampf­hühner nicht nach einem Standard, sondern nach einem Ausleseverfahren, das Kampfeslust und Ausdauer bestimmen. Deshalb kommen alle Grundfarben sowie Farbvarianten in deren Aufspaltungen vor. Fast alle Kampfhühner ge­hören aber dem von Finsterbusch in seinem Buch „Cockfighting all over the World" als „Oriental Gamefowl", also dem orientalischen Kampfhuhntyp an. Dessen Merkmale sind: rote Ohr­lappen, helles bis orangefarbenes Auge, auf­rechte Haltung, hartes Gefieder, gelbes Laufpig­ment, lederartige Haut (nicht so weich wie die der Mittelmeerrassen).

Nach einem ruhigen Nachtflug wurde ich von meinem Gastgeber und seinem Schwager in der Flughafenankunftshalle schon freudig erwartet. Nach einer dreiviertelstündigen Fahrt durch die weitgehend leeren Straßen des westlichen Stadtteils erreichten wir um zwei Uhr morgens sein Sechsfamilienhaus, in dessen obersten 4. Stock er mit seiner Frau und einem kleinen Enkel wohnt. Seine Frau war extra wach geblie­ben und bot gleich Èay, den türkischen Tee an. Erst gegen fünf Uhr am Morgen gingen wir schlafen nach langen Gesprächen über Kampf­hühner und dem ausgiebigen Geschenke bewundern.

Nach einem ausgiebigen türkischen Früh­stück besichtigte ich gegen Mittag die ausgedehnte Kampfhuhnzucht, die wie üblich in türki­schen Großstädten, sich auf dem Flachdach des Hauses befand. Dort lebten die zum Hahnen­kampf bereiten Hint in geräumigen, aus Holz gezimmerten Ställen. (In Deutschland würden sich in Ställen solcher Bauart Kaninchen befin­den.) Aber der Raum ist groß genug, daß der Hahn mit den Flügeln schlagen kann. In einigen richtigen Hühnerställen waren ca. 30 Junghen­nen untergebracht, von denen bis zur Ge­schlechtsreife die aggressivsten zur Weiterzucht selektiert werden. Mein Gastgeber bevor­zugt aber auch kräftig aussehende, die mög­lichst viel schwarzes Pigment besitzen. Türken wetten lieber auf dunkle Tiere, am liebsten auf Schwarze (türkisch: siyah), weil man eventuelle Blutspritzer nicht auf dem Gefieder sieht. Die Hennen, die nicht benötigt werden, sind meist Schlachtkandidaten oder werden verkauft oder getauscht. Junge Hähne werden schon vor der Geschlechtsreife, im Alter von ca. fünf Monaten, in Einzelboxen gesperrt.

Türkische Kampfhuhnzüchter verwenden viel Zeit darauf, sich um jeden einzelnen Hahn zu kümmern. Der Hahn wird herausgelassen in den Sonnenschein. Innerhalb der nächsten zehn Minuten wird der Hahn massiert, an das Finger schnipsen gewöhnt, damit er aufmerksam wird und die Füße gereinigt. Je nach Alter des Hahnes wird auch ein Konditionstraining unter­nommen, indem er ca. 50mal 60 Zentimeter hoch geworfen wird. Dadurch wird die Sprung­- und Flugmuskulatur betätigt. Mit der Hand wird auch die Aggression des Hahnes gefördert, indem er oft von vorne gestupst wird. Zuletzt wird so ein Junghahn sorgfältig untersucht: Die Schwingen werden ausgebreitet, das Federwerk betrachtet, nach Ungeziefer ge­sucht, die Läufe massiert, der Kopf mit klarem Wasser gewaschen usw.

Dann kommt der nächste Hahn an die Reihe mit der ganzen Prozedur. Diese wird vom Züchter und Hahnenfreund mit viel Liebe zum Tier durchgeführt und das täglich! Dadurch werden diese Tiere äußerst zahm. Nach einigen Tagen merkte ich, daß die Hähne geradezu darauf warteten, daß sie herauskamen, um in Kontakt mit ihrem Besitzer zu kommen. Ich beobachtete die Aufmerksamkeit des Hahnes auf das Finger schnipsen, wie er es liebte, immer wieder den linken oder rechten Flügel zu senken, um den sogenannten Kratzfuß dem vermeintlichen Part­ner zu zeigen. Der jeweilige Hahn machte auch liebend gern Scheinangriffe auf die Hand, ohne sie aber beißen zu wollen. Orientalische Kampfhühner beißen auch im allgemeinen nicht die Hand, die ansonsten immer Futter gibt. Dage­gen gibt es aber noch die Kampfhühner des Bankivatyps die, wie ich bei anderen 'echten' Kampfhuhnzüchtern in Europa feststellte, ihren Besitzer beim Training beißen (fast alle).

In den 14 Tagen Urlaub bei meinen türkischen Freunden besuchten wir ca. 20 Hahnenzüchter auf beiden Seiten Istanbuls. Das will viel heißen, denn Istanbul, das übrigens früher, nach König Konstantin benannt, Konstantinopel hieß, hat einen Durchmesser von 100 km bei acht Millio­nen Einwohnern (ohne umliegende Dörfer und Gemeinden). Allein in Istanbul sind Tausende mit dem Hahnenkampf verbunden, in Izmir, Ankara und Antalya ist sicher noch mehr los

Auf der Asienseite Istanbuls besuchten wir den Besitzer einer Textilfirma mit 500 Arbeitern, der eine riesige Kampfhuhnzucht betreibt. Stän­dig sind ca. 100 top gepflegte Hähne in Boxen mit kristallklarem Wasser und sehr gutem Kör­nerfutter kampfbereit. Ca. 20 Glucken brüteten auf jeweils zwölf Eiern. Des weiteren waren in einer Halle Boxen mit zehn Zuchtpaaren, in einer anderen Junghähne (50-60), in einer weiteren Junghennen (40-50 Stück), von denen aber immer fast alle geschlachtet werden (nur die aggressivsten werden ausgelesen).

Dieser besagte Firmenchef hatte zwei Arbei­ter für seine Kampfhuhnzucht beschäftigt: Einer, der Aluminiumstreifen mit einem Buchstaben-und Zahlenkode gravierte und den Tieren als Fußring vorsichtig anlegte. Bei den heranwach­senden Tieren wurde dieser Ring gelockert, damit er nicht am Fuß klemmt. Zudem hatte er die Aufgaben, auf die Gesundheit der Tiere zu achten, Hähnen nach dem Hahnenkampf die Wunden zu versorgen, gegen auftretendes Fie­ber Antibiotika zu verabreichen und das Brüten der Glucken zu überwachen, sie täglich vom Nest zu nehmen und dabei das Fressen und Abkoten zu beobachten, Eier zu schieren, Kü­ken zu markieren, die Glucke mit den Küken in einen Aufzuchtstall umzusetzen (Lattenverschlag, durch den die Küken entweichen können, aber die Glucke eingesperrt bleibt, denn die Glucken würden miteinander kämpfen). Dazu beaufsichtigte er noch den anderen Arbeiter, der dunkelhäutiger war und vom Schwarzen Meer stamm­te, Analphabet war und die schwere Arbeit zu tun hatte: Trinkwasser schleppen und Gefässe säubern, Ställe ausmisten und säubern, Futter­säcke transportieren sowie Füllen der Futternäpfe mit Getreide. Ein benachbarter Firmenchef einer Maschinenfabrik unterhielt auf dem gleichen Gelände in einer weiteren sehr sauberen langgestreckten Halle eine ca. 250köpfige Zucht der belgischen Gesangskanarienrasse Waterslager (Wasserschläger).

Die türkische Gastfreundschaft beinhaltete, daß mir als deutschem Gast bei jedem Besuch bei einem anderen Kampfhuhnzüchter ein schöner Hahnenkampf gezeigt wurde. Kein ernsthafter zum Wetten, sondern nur zum Spass und als Augenweide am schönen ästhetischen Spiel der beiden miteinander kämpfenden Hähne. Diese Kämpfe waren harmlose fünf Minuten lang und werden nur als Sparringskämpfe für das Trai­ning sowie zum Erkennen des Kampftriebes und der Qualität der Tiere gemacht.

Kein Türke findet die Farbe eines Kampfhah­nes ausschlaggebend für die Qualität. Die Farbe ist egal. Hauptsache, der Hahn kämpft! Eine Vorliebe existiert allerdings für die schwarzen und weizenfarbigen Exemplare. Bei den Weißen sieht man, wie eingangs erwähnt, beim Kampf das Blut auf dem Gefieder, und man wettet deshalb nicht so gern auf helle Tiere, aber wenn sie genauso gut kämpfen wie dunkle, ist der Türke doch sehr zufrieden. Folgende Farben kommen vor, deren Nennung die deutschen Rassegeflügel Interessierten sicher erwarten: Schwarz, Weiß, Gelb, Rot, Rot-Schwarz, Schwarz-Rot, Blau-Rot, Braun, Fasanenbraun, Rebhuhnfarbig, Getigert (Weiß mit schwarzen Farbspritzern wie bei Tauben), Weizenfarbig, Zimtfarbig, Weiß mit braunem Flügeldreieck (sehr hübsch) und Birkenfarbig.

Nun zum eigentlichen Hahnenkampf. Mir wur­den sechs Hahnenkampfplätze gezeigt, die ver­steckt liegen, sich meistens in einem Keller oder neben oder in einer Industriehalle befinden und von den Besuchern regelmäßig aufgesucht werden. Die meisten Gäste kommen Samstag- und Sonntagabend, die wenigsten Montags. Don­nerstags ist meistens geschlossen. Nur abends ist solch ein Ort zugänglich, geöffnet ist in der Zeit von 19-24 Uhr.

Der Hahnenkampfplatz besteht aus einer 2,50 x 2,50 Meter messenden Quadratfläche mit 60 Zentimeter hohen Wänden, die aus festen, glatten und gepolsterten Elementen bestehen.

Prinzipiell werden in der Türkei die Hähne in Gewichtsklassen gegeneinander gesetzt, des­halb werden sie auf altertümlich anmutenden Gusseisen-Balkenwaagen ausgewogen, Der Gewichtsunterschied zwischen den beiden Hähnen darf sich im Bereich ± 100 Gramm bewegen. Die Sporen der Tiere werden untersucht und nötigenfalls mit Schmirgelpapier stumpf gemacht. Auch dem Schnabel wird mit Schmirgelpapier vorsichtig nur seine absolute Schärfe genommen.

Ein älterer erfahrener Mann wird als Schieds­richter benannt, der auf die Zeit zu achten hat. Eine Wanduhr wird auf eine Minute vor zwölf Uhr gestellt, die beiden Hahnenbesitzer einigen sich auf die Summe, die sie wetten wollen (in der Regel ca. 25 DM). Das bedeutet aber unter Umständen einen halben Monatsverdienst, falls der Mann überhaupt arbeiten sollte.

Auch in der Türkei ist der Hahnenkampf unter dem Mäntelchen der Tierquälerei verboten. Aber der eigentliche Grund liegt vielmehr darin, daß auch verbotenerweise gewettet wird von den Männern. Das dabei der Monatsverdienst draufgehen kann, ist den Politikern bekannt. Trotzdem gilt es als Ehrendelikt und wird kaum kontrolliert. In jedem zweiten dramatischen tür­kischen Film im türkischen Fernsehen trägt z.B. der Filmstar einen prächtigen Kampfhahn spa­zieren und demonstriert damit seine Stärke und Männlichkeit. Jedoch habe ich festgestellt, daß nur Leute gewettet haben, die es sich auch leisten konnten oder auch nur mit ihrem Sitznachbam darauf wetteten, daß z.B. der eine Hahn nur 20 Minuten durchhalten würde. Das sind dann Summen gewesen um ein bis zwei DM umgerechnet.

Am Anfang der ersten Viertelstunde kämpfen die Hähne noch mit viel Beinarbeit und schlagen mit ihren stumpfen Sporen. Nach ca. zehn Minuten werden sie aber zu Beißern und fügen dem anderen Hahn durch Picken auf den Kopf und an der Kehle Wunden zu. Nach 15 Minuten wird der Kampf für die zwei Minuten dauernde „Wasserpause" unterbrochen. Dabei wird dem Hahn zuerst mit klarem kalten Wasser der Kopf gewaschen und das Blut auch aus den Augen mit Wasser entfernt. Die Läufe und das Hinterteil (Bauch) werden mit dem Wasser abgekühlt, weil sich die Tiere beim Kampf ziemlich erhitzen. Eine Schwungfeder wird in den Schlund ge­steckt und damit Blut und Schleim herausgeholt, die beim Kampf verschluckt und eingeatmet wurden. (Zum Ende jeder Viertelstunde hört man auch leise das Röcheln der Hähne.)

Nach der Wasserpause setzt man die Hähne wieder zusammen, und der Kampf geht mit frischen Kräften weiter. Bei der zweiten Wasser­pause (nach 30 Minuten) wird wieder vom Hahnenbesitzer oder einer findigen Vertrauensperson genauso verfahren mit dem Unterschied, daß jetzt zusätzlich das Augenmerk auf die Schnabelfestigkeit gerichtet wird, denn beim häufigen Picken und Knappen des Schnabels lockert sich manchmal das Bindegewebe zwi­schen Schnabelhom und dem darunterliegen­den Kieferschnabelknochen des Oberschnabels. Falls es gelockert ist, wird mit einem Baumwoll­faden zweimal der Oberschnabel verknüpft und hinter dem aufwärts gerichteten Zipfel des Erb­senkammes verknotet. So kann der Hahn ohne Probleme weiterkämpfen. Nach dem Kampf wird die Fadenverknüpfung entfernt; das Binde­gewebe verfestigt sich innerhalb der nächsten zwei Tage, und der Hahn kann bald wieder kämpfen.

Der Kampf geht über sieben Wasserpausen, also bis zwei Stunden maximal, falls nicht einer der Hähne wegen Angst, Schwäche, mangeln­dem Training oder schlechter Zuchtqualität be­siegt wird. Das Kampf-Ende ist da, wenn ein Hahn zwei Minuten vor dem anderen wegläuft oder zwei Minuten liegt und nicht mehr auf die Attacken des anderen reagiert.

Der Leser hat spätestens hier bemerkt, daß der Hahnenkampf in der Türkei ganz natürliche Inhalte hat: Pausen mit Pflege, Gewichtsklas­sen, keine künstlichen scharfen oder spitzen Stahlsporen, sondern nur das Ziel, durch Aus­dauer und gute Konstitution den Kampf zu gewinnen, wenigstens aber ehrenhaft zu verlie­ren durch Standhaftigkeit bis zwei Stunden. Ich sah auch Kämpfe, die unentschieden ausgin­gen, dann bekommen die Wetter ihre eingesetz­ten Geldsummen vom Vertrauensmann zurück.

Ich darf darauf hinweisen, daß diese Zucht­auslese erst die Kampfhuhnrassen gebildet hat und die Ursache liefert für deren Vitalität, Lang­lebigkeit, Abwehr gegen Infektionen durch Wun­den und nicht zuletzt die Farbenfreudigkeit mit ausgesprochen glänzenden Farbspielen, die sich in Europa der Rassegeflügelzüchter zunut­ze gemacht hat bei allen Rassen mit roten Ohrlappen (= asiatische Abstammung). Wir Rassegeflügelzüchter haben der Kampfhuhn­zucht eigentlich alles zu verdanken. In der Wirtschaftsgeflügelzucht ist das Resultat die Winterlegetätigkeit und die Mastfähigkeit mit größerem Fleischkörper. Deshalb will ich versu­chen, eine Lanze zu brechen für den unter deutschen Züchtern verpönten Hahnenkampf. Wenn er in Asien nun mal seit 4000-5000 Jahren Sitte ist und somit einen Teil der Kultur der Völker darstellt, zudem noch für mehr als 10 Millionen Menschen Hobby ist, teilweise sogar den Lebensunterhalt darstellt, sollten wir uns kein Vorurteil darüber erlauben. Trotzdem bleibt es in unseren Augen natürlich Tierquäle­rei! Dieser Bericht wurde auch geschrieben, um unsere Züchter oder auch Laien aufmerksam zu machen auf eine Unzahl von Geflügelfreunden allein im asiatischen Erdteil. Dazu kommen noch die Kampfhuhnfreunde in Mittel- und Südameri­ka mit bankivoiden Kämpfern sowie in Belgien, unse­rem Nachbarland, wo die ganze Familie am Hahnenkampf wie selbstverständlich teilnimmt.

In der Türkei sind beim Hahnenkampf Frauen oder Mädchen wegen der durch den Islam geprägten Männergesellschaft nicht zu sehen. Weil es sie aber (wie ich auf meine Frage hörte) interessiert, sehen sie sich die Trainings-Hahnenkämpfe zu Hause im kleinen Kreis oft an. Europäische Touristinnen werden aber am Hah­nenkampfplatz ausnahmsweise akzeptiert we­gen der orientalischen Gastfreundschaft und wegen der bekannten Gleichberechtigung im Heimatland.

Nach dem Kampf erfolgt durch den gewieften Hahnenbesitzer oder einen Freund die Wund­versorgung. Aufgerissene Hautpartien am Kopf oder an der Kehle werden mit Nähseide vernäht und mit Antibiotika haltigem Spray besprüht. Lie­bevoll werden dem Hahn frisches Wasser, Mais, Gerste, Weizen oder gekochter Reis ge­reicht. Falls das Tier noch nicht wieder stehen kann, wird es gestützt oder aufgerichtet und ihm notfalls Wasser und Futter eingeflösst oder verquirltes rohes Ei wird mit einer Einmalspritze (ohne Kanüle) in den Schnabel oder Schlund des Tieres gespritzt. Bei Fieber, spürbar vor allem an den sehr warmen Läufen, bekommt der Hahn subkutan oder intramuskulär mit einer Einmalspritze (mit Kanüle) ein Antibiotika haltiges Präparat injiziert. Bei offensichtlichen Schmerzen wird durch Einflössen eines Stückchens einer Schmerztablette versucht, dem Hahn den Schmerz zu lindem.

Fast alle Hähne erholen sich rasch. Nach einer Woche beginnt mein Freund, den Kopf des Hahnes mit klarem Wasser zu waschen und vorsichtig die Krusten, die von dem Wasser aufweichen und sich fast von selbst lösen, abzumachen. Ab der zweiten oder dritten Woche nach dem Kampf beginnt das schon be­schriebene Training wieder. Der Sieger des Kampfes ist ohnehin sowieso kaum verletzt und kann schon nach drei bis vier Wochen wieder kämpfen. Der besiegte Hahn kann je nach Verletzungsschwere oft erst nach vier, sechs oder acht Monaten wieder am Hahnenkampf­platz antreten, weil dann meistens noch die Zeit der Mauser zu berücksichtigen ist.

Unter Kämpferspezialisten ist derjenige hoch angesehen, der seinem Hahn bei ramponierten Flügeln die abgebrochenen Schwungfedern wieder annähen kann. Hierzu hat sich mein türkischer Gastgeber eine Schwungfedersamm­lung in verschiedenen Farbsortierungen zuge­legt. Die besten Schwungfedern mit der größten Elastizität und Stärke besitzen Perlhühner, des­halb werden auch sie von Kennern verwendet. Der abgebrochene Federkiel wird am Flügel auf fünf bis sieben Zentimeter belassen und mit einem scharfen Messer oben angeschrägt. Die zu ergänzende Feder wird ebenfalls auf der unte­ren Seite angeschrägt. Mit einem Baumwollzwirn, auf eine dünne Nähnadel gezogen, wird dann der Kiel von unten durchstochen und ebenso der neue Federkiel. Durch den Faden werden beide miteinander verbunden und verknotet. Ohne den Faden abzuschneiden, werden dann drei Zentimeter weiter noch mal die Kiele von oben durchbohrt, mit dem Faden durchgezogen und verknotet. Ohne den Faden abzuschneiden, erfolgt das Durchziehen des Fadens noch mal durch das erste Loch von der entgegengesetzten Seite und ebenso beim zweiten Loch. Zum Schluss wird auf der Untersei­te mit dem auf beiden Seiten liegenden Fadenverlauf gut der letzte Knoten gesetzt. So wird mit allen abgebrochenen Schwungfedern verfah­ren. Der Hahn hat beim Kampf jetzt wieder die Möglichkeit, durch das Flügelschlagen sein Gleichgewicht zu behalten.

Der Hahn putzt die reparierten Flügelfedem als wenn nichts gewesen wäre und kann deshalb wieder kämpfen, ohne auf die nächste Mauser warten zu müssen, bei der dann die abgebrochenen Federstümpfe durch die neuen nachwachsenden Federn ersetzt werden.

In Istanbul habe ich die Hint Hähne als mittel hochgestellte Asil mit meist heller Augenfarbe im Gewicht von 2,5 bis 3,5 Kilogramm kennengelernt. Immer erfolgt das Brüten der Eier mit Glucken, die oftmals die Eier die sie bebrüten, auch selbst gelegt hatten. So ist die Kontrolle der Abstammung der Küken beim Heranwachsen auch einfacher.

An Moscheeplätzen werden Kampfhähne feil­geboten. Immer steht ein Pulk von 30 bis 50 teils verwegen aussehenden Männern um sie her­um, weil vor einem Kauf natürlich ein Probekampf gemacht wird.

Innerhalb 14 Tagen Aufenthaltes in Istanbul wurden mir die sonstigen Attraktionen und Sehenswürdigkeiten nicht vorenthalten wie die berühmten Moscheen, die Parks, das Goldene Horn am Bosporus, die sehenswerte riesige Europabrücke, die über den Bosporus zwei Kontinente verbindet, das Treiben der Millionen von Menschen auf den Straßen, die Oldtimerautos, der Botanische Garten auf der Asienseite Istanbuls und der kleine Zoo.

Die Zeit des Abschieds nahte nach zwei Wochen intensiv genossener orientalischer Gastfreundschaft und großer Harmoniebezeugung unter den netten türkischen Kampfhuhnfreunden. Drei Wochen später telefonierte ich mit meinem Freund in Istanbul und erfuhr, daß er nach Antalya, an der Südostküste gelegen, 600 Kilometer mit dem Bus gefahren war zum türki­schen Hahnenkampffestival. Dort errang er mit seinem 3,5-Kilogramm-Hahn den zweiten Platz mit Pokal und Silbermedaille!